Weltpolitik

Fall Khashoggi: Apple-Watch soll Mord aufgezeichnet haben

Der verschwundene saudische-arabische Journalist und Regierungskritiker Jamal Khashoggi soll nach einem türkischen Medienbericht seine Ermordung mit einer Apple-Computer-Uhr aufgezeichnet haben. US-Präsident Donald Trump erklärte am Samstag in einem Interview mit der TV-Station CBS, Saudi-Arabien werde "schwer bestraft", falls sich die Vorwürfe bestätigen.

Was geschah hinter den Mauern des saudischen Konsulats in Istanbul? SN/APA (AFP)/OZAN KOSE
Was geschah hinter den Mauern des saudischen Konsulats in Istanbul?

Die große türkische Zeitung "Sabah" berichtete am Samstag, dass der Journalist noch vor Betreten des saudi-arabischen Konsulats eine Aufnahmefunktion an seiner Apple Watch eingeschaltet habe. Sein Handy, das er seiner vor dem Konsulat wartenden Verlobten gegeben habe, sei mit der Uhr an seinem Handgelenk synchronisiert gewesen. So seien die Geräusche während seiner Exekution gespeichert worden. Die Aufnahmen deuten demnach darauf hin, dass er gefoltert und umgebracht wurde.

Der türkische Geheimdienst MIT und die Polizei hätten die Daten, die in den iCloud-Speicher übertragen wurden, dann ausgewertet, berichtete "Sabah" weiter. iCloud ist ein Dienst von Apple, mit dem Daten gespeichert und auf mehreren Geräten synchronisiert werden können.

"Die Momente, in denen sich das Attentäter-Team ... mit Khashoggi beschäftigt hat, wurden Minute für Minute aufgezeichnet", schreiben die Autoren. Die Täter hätten aber versucht, einige Daten zu löschen. "Sabah" beruft sich auf "vertrauenswürdige Quellen". Nach Kashoggis Tod hätten saudi-arabische Geheimagenten bemerkt, dass die Aufnahme weiter laufe, berichtete die Zeitung. Sie hätten Kashoggis Fingerabdruck benutzt, um das Telefon zu entsperren, und einige, aber nicht alle Daten gelöscht. Die Aufnahmen seien später auf Kashoggis Handy gefunden worden. Die türkische Polizei geht davon aus, dass der Journalist im Konsulat ermordet wurde.

Die Regierung in Riad wies diesen Vorwurf zurück. Saudi-Arabien hatte bereits vor Erscheinen des Berichts jegliche Mitschuld am Verschwinden des Regimekritikers bestritten. Das Königreich sieht sich nach Angaben des Innenministeriums durch falsche Anschuldigungen in ein schlechtes Licht gerückt.

Nach Veröffentlichung des "Sabah"-Artikels tauchten umgehend Zweifel an der türkischen Version auf. Unter anderem wird eine Apple-Uhr immer mit einem iPhone des Besitzers verknüpft, mit dem sie üblicherweise per Bluetooth-Funk Daten austauscht. Das Bluetooth-Signal hat eine Reichweite von einigen Metern, Khashoggis Verlobte müsste also mit seinem iPhone sehr nahe am Konsulatsgebäude gestanden haben, damit die beiden Geräte diese Verbindung aufrechterhalten.

Khashoggi könnte auch eine Version der Apple-Watch getragen haben, die direkt ins Mobilfunknetz geht und Daten ohne den Umweg über das iPhone oder ein WLAN übermittelt. Auf einem Foto von Mai, das der Technologie-Blog "TechCrunch" fand, ist er mit einer solchen Uhr zu sehen. Allerdings gibt es aktuell keine türkischen Mobilfunk-Anbieter, die diese Funktion unterstützen.

Die Apple-Uhr hat ein Mikrofon, und es gibt diverse Apps, mit denen man prinzipiell Sprachaufnahmen auf der Apple-Uhr anfertigen und an ein iPhone oder in die iCloud übertragen kann. Meistens folgt die Übermittlung erst nach Abschluss der Aufnahme. Zugleich hätte Khashoggi bei bestehender Funkverbindung zu seinem Telefon, einem WLAN oder dem Mobilfunknetz auch einfach nur vor Betreten des Konsulats einen Anruf über die Uhr starten können, mit dem alle Umgebungsgeräusche übertragen worden wären.

Die Daten der Uhr könnten auch darüber hinaus Hinweise auf das Schicksal Khashoggis liefern, weil sie Gesundheitsinformationen wie Puls und Bewegungsaktivität aufzeichnet und übermittelt. Dafür braucht sie ebenfalls eine Funkverbindung und muss entsperrt sein. Das Gerät sperrt sich automatisch, wenn es vom Handgelenk abgenommen wird.

Der Sicherheitsexperte des US-Senders CNN, Robert Baer, vermutet, dass der türkische Geheimdienst das saudi-arabische Konsulat abgehört hat und so an die Informationen gekommen ist. "Ich glaube, so haben sie es wahrscheinlich erfahren. Aber die Türken sind sehr abgeneigt, das zuzugeben", sagte Baer.

Khashoggi hatte am 2. Oktober das saudi-arabische Konsulat in Istanbul betreten, um Papiere für seine Hochzeit mit einer Türkin abzuholen. Seither wird er vermisst. Der Journalist publizierte in westlichen Medien unter der englischen Schreibweise seines Namens, Jamal Khashoggi.

Türkische Regierungskreise streuen seit Tagen über Medien die These, dass Khashoggi im Konsulat ermordet worden sei. Sie geben zunehmend grausige Details preis. Als Folge tauchte immer öfter die Frage auf, wie die Ermittler zu ihren Erkenntnissen kamen und ob sie die diplomatische Vertretung womöglich mit Abhörgeräten ausspioniert hatten.

In einem Bericht der "Washington Post" hatte es unter Berufung auf die türkische Regierung in der Nacht auf Freitag noch geheißen, es gebe nicht nur Audio-, sondern auch Videoaufnahmen. Diese bewiesen, dass Khashoggi im Konsulat ermordet worden sei.

US-Präsident Donald Trump hat Saudi-Arabien mit "ernsten Konsequenzen" gedroht, falls es den prominenten Journalisten Jamal Khashoggi tatsächlich in seinem Konsulat in Istanbul ermordet hat. In dem Fall stehe viel auf dem Spiel, sagte Trump am Samstag dem Fernsehsender CBS. Dies gelte vielleicht besonders, weil Khashoggi Journalist sei.

Einen Stopp der US-Waffenlieferungen an Saudi-Arabien lehnte Trump unter Verweis auf die Arbeitsplätze in der US-Rüstungsindustrie dennoch erneut ab. Der US-Präsident pflegt ein wesentlich engeres Verhältnis zum saudi-arabischen Königshaus als seine Vorgänger, während er seriöse Medien im eigenen Land immer wieder als "Fake News" geißelt.

Trump sprach von einer "harten Bestrafung". Einen 110 Milliarden Dollar schweren Rüstungsdeal mit Saudi-Arabien werde er aber nicht aufkündigen. "Ich will keinen Jobs schaden. Ich will eine Bestellung wie diese nicht verlieren. Und wissen Sie was, es gibt andere Wege der Bestrafung - um ein ziemlich hartes Wort zu benutzen." Saudi-Arabien ist der weltweit größte Käufer von US-Rüstungsgütern.

Trump sagte zum Verschwinden des saudischen Journalisten: "Wir werden der Sache auf den Grund gehen, und es wird eine harte Bestrafung geben." Auf die Frage, ob der Regimekritiker möglicherweise auf Anordnung der saudischen Führung ermordet worden sei, sagte der Präsident: "Es wird untersucht, das wird ganz, ganz genau angeschaut, und wir wären sehr aufgebracht und verärgert, wenn das der Fall wäre." Trump fügte hinzu: "Zu diesem Zeitpunkt dementieren sie es, und sie dementieren es vehement. Könnten sie es gewesen sein? Ja." Er rechne in der "nicht so fernen Zukunft" mit einer Antwort geben.

Quelle: Apa/Ag.

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