Weltpolitik

Fernsehduell Clinton-Trump wird Höhepunkt des US-Wahlkampfs

Beim ersten Fernsehduell am Montagabend (Dienstag, 03.00 Uhr MESZ) zwischen Hillary Clinton und Donald Trump könnte für die beiden US-Präsidentschaftskandidaten kaum mehr auf dem Spiel stehen. Die Demokratin und der Republikaner liegen in den Umfragen eng beieinander, mehr als ein Fünftel der Wähler ist noch unentschlossen. Die Einschaltquote dürfte ein Rekordniveau erreichen.

Fernsehduell Clinton-Trump wird Höhepunkt des US-Wahlkampfs SN/APA (AFP)/PAUL J. RICHARDS
Livedebatte kommt in einer entscheidenden Phase.

In den 90 Minuten - frei von Werbeunterbrechungen - darf sich keiner der beiden eine Schwäche leisten: Denn in der US-Geschichte haben Fernsehdebatten mehrfach den Verlauf eines Wahlkampfs maßgeblich verändert.

Diesmal findet das erste der drei Duelle zudem zu einem kritischen Zeitpunkt statt: Die bisher in Umfragen führende Clinton hat einen großen Teil ihres Vorsprungs eingebüßt. In der jüngsten Reuters/Ipsos-Erhebung erhielt die ehemalige Außenministerin 41 Prozent, der Geschäftsmann Trump 37 Prozent. Der Republikaner befindet sich auch sonst tendenziell im Aufwind: Am Freitag bekannte sich überraschend noch einer seiner ärgsten Rivalen aus den Vorwahlen, der Erzkonservative Ted Cruz, zu ihm.

Clintons jüngster Schwächeanfall und die anhaltende Debatte über ihren Umgang mit vertraulichen E-Mails lassen die 68-Jährige als in der Defensive erscheinen. Die Debatte an der Hofstra-Universität im Bundesstaat New York bietet nun beiden Kandidaten die Möglichkeit, bei noch nicht festgelegten Wählern zu punkten.

Etwa sechs Wochen vor der Abstimmung am 8. November sind rund 22 Prozent der potenziellen Wähler noch unentschlossen. Und über die Hälfte der Wähler hat keine klare Vorstellung davon, für welches Programm die Kandidaten stehen. Dem Pew Research Center zufolge gaben in einer Umfrage 48 Prozent der Befragten an, sie wüssten über Clintons politisches Programm gut bescheid, bei Trump waren es nur 41 Prozent.

Die TV-Debatten sind eine seltene Gelegenheit, die Kandidaten außerhalb der üblichen streng kontrollierten und durchchoreografierten Auftritte zu sehen. Genau dies mache die Debatten so spannend - "das Gefühl der Gefahr, die Ungewissheit des Ausgangs", sagt der Medienexperte Alan Schroeder. Dazu komme heuer das unvorhersehbare Verhalten von Trump, das nach Debatten im Vorwahlkampf zu den Stärken des 70-Jährigen gezählt wird. Einen Vorgeschmack gab Trump am Samstag mit der Drohung, eine frühere Geliebte von Clintons Ehemann zum TV-Duell einladen zu wollen. Gennifer Flowers solle in der ersten Reihe sitzen, twitterte er am Samstag.

Pew zufolge wollen die US-Bürger bei der Debatte insbesondere etwas zur Abwehr von Terrorangriffen, der Wirtschaftslage und dem Budgetdefizit hören. Für den Verlauf dürfte auch wichtig sein, dass etwa 60 Prozent der unentschlossenen Wähler Frauen sind. Der republikanischen Strategie-Expertin Katie Packer zufolge vertrauen sie zwar Clinton nicht - "aber Trump macht ihnen Angst".

Quelle: Apa/Ag.

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