Weltpolitik

Festnahmen nach Selbstmordanschlag in Kayseri

Bei einem mutmaßlichen PKK-Anschlag sind am Samstag in der Türkei 13 Soldaten getötet und 56 weitere Menschen verletzt worden. Bei dem Attentat in der zentraltürkischen Industriestadt Kayseri deuten alle Hinweise auf eine Tat der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans hin, sagte Vize-Regierungschef und Regierungssprecher Numan Kurtulmus. Sieben Verdächtige wurden festgenommen.

Bei den 13 Todesopfern handelte es sich laut Armee um Soldaten unterer Dienstgrade. Berichten zufolge waren sie erst Anfang 20. Sie hatten einen freien Tag und die Erlaubnis, diesen außerhalb der Kaserne zu verbringen. Laut Regierungschef Binali Yildirim zündete ein Selbstmordattentäter die Autobombe, als der mit den Soldaten besetzte Bus vorübergefahren sei.

Fernsehbilder vom Anschlagsort zeigten das ausgebrannte Wrack des Busses. Zahlreiche Rettungswagen und Polizeifahrzeuge waren vor Ort. Nach neuen Angaben von Innenminister Soylu gab es 56 Verwundete, darunter sechs Schwerverletzte.

Zu dem Anschlag bekannte sich zunächst niemand. Kurtulmus sagte dem Sender NTV, es würden zwar "alle Möglichkeiten in Betracht" gezogen. Derzeit deuteten aber "alle Hinweise auf die PKK hin".

Kurtulmus führte aus, die Bauteile der Bombe in Kayseri ähnelten denen der Sprengsätze in Istanbul vor einer Woche. "Das sind keine Dinge, die man im Einkaufszentrum kauft, (...) es gibt da logistische Unterstützung", sagte der Regierungssprecher.

Bei dem Doppelanschlag auf Polizisten nach einem Spiel des Fußballvereins Besiktas Istanbul waren am Samstag vergangener Woche 44 Menschen getötet worden. Zu dieser Tat bekannten sich die Freiheitsfalken Kurdistans, eine radikale Splittergruppe der PKK. Vize-Regierungschef Veysi Kaynak sagte, der Anschlag in Kayseri erinnere "leider" an den Doppelanschlag in Istanbul.

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan erklärte, die "Terrorakte" in der Türkei zielten auf "all unsere 79 Millionen Bürger mit unseren Soldaten und Polizisten". Ohne konkret auf den Anschlag in Kayseri einzugehen, fügte Erdogan hinzu, das Land werde von verschiedenen Terrorgruppen angegriffen, besonders aber von der PKK. "Wir werden entschieden gegen diese Terrororganisationen kämpfen im Geiste der nationalen Mobilisierung", kündigte der Präsident an.

Nach dem Bombenanschlag stürmten in Kayseri Dutzende Demonstranten die Büros der prokurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP), wie auf Videos in sozialen Online-Netzwerken zu sehen war. Die türkische Regierung wirft der linksliberalen Partei Unterstützung der PKK vor.

Die Industriestadt Kayseri liegt weit entfernt von den Kurdengebieten im Südosten der Türkei und gilt üblicherweise als ruhig. Die Millionenstadt befindet sich in der Nähe der bei Touristen aus aller Welt beliebten Region Kappadokien.

Quelle: Apa/Ag.

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