Weltpolitik

Flüchtlinge: Patzelt warnt vor australischen Verhältnissen

Der Generalsekretär von Amnesty International Österreich, Heinz Patzelt, warnt davor, dass in der Flüchtlingspolitik in Europa bald Verhältnisse wie in Australien herrschen könnten. "Wenn wir so weitermachen, ist das die logische Konsequenz", so Patzelt am Mittwochabend in der ZiB 24 des ORF.

Amnesty International und Human Rights Watch hatten am Mittwoch den Umgang Australiens mit Flüchtlingen, die in Lager auf die Pazifikinsel Nauru und nach Papua-Neuguinea gebracht und dort misshandelt wurden, kritisiert. Die australische Regierung wies die Vorwürfe "auf das Schärfste zurück".

Patzelt sagte, wer das australische Modell als Vorbild für Europa propagiere "ist im besten Fall erschreckend ahnungslos oder menschenverachtend". Australien beraube die Flüchtlinge, die auf den Inseln ausgebeutet würden, ihres Asylrechts.

Zur Bewältigung der Flüchtlingskrise sei es wichtig, einerseits den Menschen "viel wirksamer vor Ort zu helfen" und andererseits jenen, die fliehen, "einen sicheren Platz zu geben in Europa". Zur Lage in Afrika sagte Patzelt, die Menschen dort "fliehen ums nackte Überleben" wegen "der Bürgerkriege und der brutalen Unterdrückung" durch die Islamisten des sogenannten "Islamischen Staates" und "Boko Haram".

Das Flüchtlingsabkommen der EU mit der Türkei bezeichnete Patzelt als "schäbigen Deal". Wenn das Abkommen aber platzen sollte, würden weiter tausende Flüchtlinge im Meer ertrinken. Ferner glaubt der Amnesty-Generalsekretär, dass nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei tausende Türken "versuchen werden, zu fliehen." Diese hätten ein Anrecht auf Asyl in Europa.

Er verstehe nicht, "warum in Europa die Politik so dreist, verlogen und halbseiden agiert", kritisierte Patzelt. Es gelte, sichere Wege für die Flüchtlinge zu schaffen, nicht nur nach Europa sondern auch in andere Staaten wie zum Beispiel die USA oder Kanada.

Quelle: APA

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