Weltpolitik

Frankreich: Macron will umworbene Mittelschicht gewinnen

Der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron will die Mittelschicht für sich gewinnen, die auch von der rechten Front National umworben wird. Der 39-Jährige erklärte, ohne die Menschen in der Mitte der Gesellschaft drohe eine Entwicklung wie in den USA oder Großbritannien. Macron gilt laut Umfragen als Favorit für die Nachfolge von Staatschef Francois Hollande.

Macron will sich der Mittelschicht annehmen.  SN/APA (AFP)/LIONEL BONAVENTURE
Macron will sich der Mittelschicht annehmen.

Macron betonte, die Mittelschicht sei "von Linken wie Rechten vergessen" worden. Seine Priorität sei deshalb "ein neues Abkommen" mit den Menschen in der Mitte der Gesellschaft. "Die Mittelschicht ist das arbeitende Frankreich, das kämpft, um erfolgreich zu sein", fügte der Politiker hinzu.

Zugleich warnte Macron vor Entwicklungen wie in Großbritannien oder den USA. Der Brexit und der Wahlerfolg von Donald Trump zeigten, dass Länder auf die Mittelschicht angewiesen seien. Wenn Demokratien das Zentrum ihrer Gesellschaft vergäßen, "zerbrechen sie am Aufstieg der Extremen".

Scharfe Kritik übte er am Vorhaben der Front National, die Eurozone zu verlassen. Damit drohe den arbeitenden Schichten ein massiver Wertverlust ihres Einkommens oder ihres Ersparten.

Macron wirbt mit der parteiunabhängigen Gruppierung "En Marche!" ("In Bewegung!") für sich. Bis zum vergangenen August war er noch Wirtschaftsminister der sozialistischen Regierung unter Hollande. Er trat dann zurück, um sich seiner Präsidentschaftskandidatur zu widmen.

Auch im linken Lager gewinnt der Jungpolitiker an Zustimmung. Der Sozialist und frühere Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe kündigte am Mittwoch seine Unterstützung für ihn an. Ende Februar hatte zudem der Zentrumspolitiker Francois Bayrou zugunsten von Macron auf eine eigene Kandidatur verzichtet.

Nach Angaben des Verfassungsrats hat Macron inzwischen auch die nötigen Unterschriften von 500 Amtsinhabern gesammelt. Sie sind Voraussetzung, um bei den beiden Wahlrunden am 23. April und 7. Mai antreten zu können.

Unterdessen ist ein Berater Macrons wegen eines möglichen Interessenskonflikts zurückgetreten. Sein gesundheitspolitischer Berater Jean-Jacques Mourad habe selbst um seine Entbindung gebeten, um jeden Anschein eines Interessenskonflikts durch seine Tätigkeit für ein Pharmaunternehmen zu vermieden, sagte Macron am Dienstag in Paris.

Mourad habe diese Tätigkeiten zuvor nicht angegeben. Macron bezeichnete das Rücktrittsgesuch als "ehrenwert". Der Kardiologe Mourad hatte bis Mitte 2016 für ein Pharmaunternehmen Lobbyarbeit geleistet und Zehntausende Euro an Spesen für Reisen und Restaurantbesuche erhalten. Darüber hatte zunächst die Zeitung "Le Monde" berichtet.

Quelle: Apa/Ag.

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