Weltpolitik

Früherer evangelischer Pfarrer ist neuer Bürgermeister Rios

Ein früherer evangelischer Pfarrer und Gospelsänger ist neuer Bürgermeister der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro. Laut dem vorläufigen Ergebnis setzte sich der Senator Marcelo Crivella (59) von der rechtsgerichteten Republikanischen Partei PRB in einer Stichwahl am Sonntag gegen seinen linken Kontrahenten Marcelo Freixo deutlich durch.

Früherer evangelischer Pfarrer ist neuer Bürgermeister Rios SN/APA/AFP/YASUYOSHI CHIBA
Marcelo Crivella.

Nach Auszählung von 99 Prozent der gültigen Stimmen lag Crivella mit 59,4 Prozent vor dem Kandidaten der Partei Sozialismus und Freiheit (PSOL), der auf 40,6 Prozent kam. Crivella löst Eduardo Paes von der konservativen Regierungspartei PMDB von Staatschef Michel Temer ab, der das Amt acht Jahre innehatte.

Der Aufstieg des tief religiösen und für seine polemische Wortwahl bekannten Politikers Crivella war bereits nach dem ersten Wahlgang am 2. Oktober als Dämpfer für die großen traditionellen Parteien gewertet worden. Der neue Bürgermeister plädiert für eine Politik der harten Hand im Kampf gegen das nach den großen internationalen Sportveranstaltungen wieder erstarkte organisierte Verbrechen in Rio.

Kritisiert wird Crivella wegen seiner Attacken gegen Schwule. Das Mitglied der in Brasilien gegründeten evangelischen Universalkirche des Königreichs Gottes ist auch mit der Beschimpfung von Katholiken negativ aufgefallen.

33 Millionen Menschen waren am Sonntag aufgerufen, in einer Stichwahl die Vertreter für 57 Gemeinden im fünftgrößten Land der Welt zu bestimmen. Die Abstimmung wurde laut den ersten amtlichen Ergebnissen erneut zum Debakel für die bis vor kurzem regierende linke Arbeiterpartei (PT) der abgesetzten Präsidentin Dilma Rousseff.

Wie die Zeitung "Folha de Sao Paulo" berichtete, wird die Arbeiterpartei voraussichtlich erstmals keinen Bürgermeister in ihrer früheren Hochburg stellen, dem Industriegebiet um die Wirtschaftsmetropole Sao Paulo.

Die PT hatte bereits beim ersten Wahlgang herbe Verluste hinnehmen müssen. In der ersten Abstimmung nach der umstrittenen Amtsenthebung von Rousseff verlor die Partei fast 60 Prozent der Rathäuser, in denen sie bis dahin regiert hatte.

Quelle: Apa/Dpa

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