Weltpolitik

Früherer italienischer Staatspräsident Ciampi gestorben

Italiens Ex-Staatschef Carlo Azeglio Ciampi ist am Freitag im Alter von 95 Jahren gestorben. Ciampi, der zwischen 1999 und 2006 das Amt des Präsidenten bekleidet hatte, war vor einigen Tagen in ein Krankenhaus in Rom eingeliefert worden, nachdem sich sein Gesundheitszustand verschlechtert hatte.

Früherer italienischer Staatspräsident Ciampi gestorben SN/APA (AFP)/GABRIEL BOUYS
Ciampi wurde 95 Jahre alt.

Der aus Livorno stammende Ciampi hatte im Jahr 1993 auch wenige Monate lang als Premier amtiert. 14 Jahre lang war er Italiens Notenbankchef.

Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi würdigte den am Freitag verstorbenen, früheren Präsidenten Carzlo Azeglio Ciampi als Staatsdiener und Mann der Institutionen, der mit Leidenschaft Italien gedient habe. Laut italienischen Medien ist ein Privatbegräbnis geplant. Der Sarg mit Ciampis Leichnam soll aber zuvor im Senat aufgebahrt werden.

Seit Ende seiner Amtszeit als Präsident 2006 saß Ciampi als Senator auf Lebenszeit im Parlament. Der am 9. Dezember 1920 in der toskanischen Hafenstadt Livorno geborene Ciampi wurde katholisch erzogen. Er promovierte in italienischer Literatur und Jus an der Universität Pisa. Nach dem Zweiten Weltkrieg trug er zur Bildung der laizistischen Partei "Partito D'Azione" bei. Ciampi gehörte zu den Spitzenvertretern einer toskanischen Führungselite, zu der unter anderem der verstorbene Regierungschef Giovanni Spadolini und Ex-Premier Lamberto Dini zählen. Ciampi musste sich mehrmals gegen Vorwürfe wegen Verbindungen zur Freimaurerei verteidigen.

Der 1963 als Funktionär in die Banca d'Italia eingetretene Ciampi war fast 50 Jahre lang in der Zentralbank tätig. Zwischen 1979 und 1993 besetzte er den Posten des Notenbankchefs. 1993, kurz nach Ausbruch des Schmiergeldskandals "Tangentopoli", der eine ganze politische Elite wegfegte, wurde er aufgerufen, ein parteiunabhängiges Übergangskabinett mit der Aufgabe zu bilden, das Land bis zu Neuwahlen 1994 zu führen. Während immer mehr Politiker in den Sog des Skandals gerieten, wurde Ciampi als "Retter in der Not" in den Palazzo Chigi, den Regierungssitz, gerufen. Das fand auch im Ausland Beachtung: Ciampi wurde als Ministerpräsident zur Symbolfigur einer neuen Glaubwürdigkeit.

Als Wirtschaftsminister im Kabinett von Romano Prodi (Mai 1996 bis Oktober 1998) arbeitete Ciampi unermüdlich für den Beitritt Italiens in die Europäische Währungsunion. Durch strenge Sparmaßnahmen erreicht er eine niedrige Inflationsrate und die Eindämmung des gewaltigen Budgetdefizits. Ciampi wurde im Oktober 1998 auch von Prodis Nachfolger Massimo D'Alema im Amt des Wirtschafts- und Schatzministers bestätigt.

1999 wurde Ciampi vom Parlament und Regionalvertretern im ersten Wahlgang mit überwältigender Mehrheit zum Staatspräsidenten gewählt. Der erklärte Europa-Enthusiast und "Präsident eines besseren Italiens" hat auch immer wieder Stellung zu unbequemen Themen bezogen. So bestand er im Gegensatz zum damaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, der fest hinter der Irak-Invasion der USA stand, stets auf eine führende Rolle der UNO in dem Konflikt. Der begeisterte Bergwanderer Ciampi, der immer wieder in Südtirol urlaubte, blieb bis 2006 im Amt.

Privat wurde Ciampi vor allem für seine "Musterehe" mit seiner Frau Franca bewundert, mit der er 65 Jahre lang verheiratet war und mit der er zwei Kinder hatte. Der Ex-Präsident hegte eine Vorliebe für deutsche Literatur und las Klassiker von Rainer Maria Rilke und Wolfgang Goethe.

Quelle: APA

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