Weltpolitik

Führende Sozialisten versagen Hamon Unterstützung

Der Präsidentschaftskandidat der französischen Sozialisten, Benoit Hamon, droht die Unterstützung wichtiger Gruppen seiner Partei zu verlieren. Sowohl Finanzminister Michel Sapin als auch Politiker des rechten Parteiflügels kündigten am Dienstag an, dass ihnen die Positionen des Parteilinken Hamon zu radikal seien. Aber auch sein konservativer Rivale Francois Fillon steht unter Druck.

Benoit Hamon ist jetzt schon chancenlos.  SN/APA (AFP)/PHILIPPE LOPEZ
Benoit Hamon ist jetzt schon chancenlos.

Der frühere Bildungsminister Hamon hatte am Sonntag die Vorwahlen bei den Sozialisten gewonnen und ist nun deren Kandidat bei der Präsidentschaftswahl Ende April. Er fordert ein Grundeinkommen für alle Franzosen und kritisiert den Kurs des sozialistischen Präsidenten Francois Hollande scharf. Umfragen zufolge hat der Kandidat der Sozialisten aber kaum Chancen, die erste Runde der Präsidentenwahl zu überstehen, bei einer Spaltung der Partei würde dies noch unwahrscheinlicher.

Finanzminister Sapin forderte Hamon am Dienstag auf, moderatere Positionen einzunehmen und sich um die Einheit der Sozialisten zu bemühen. Die Politiker Christophe Caresche und Gille Savary vom rechten Parteiflügel veröffentlichten einen Artikel in "Le Monde", in dem sie Hamon ihre Unterstützung verweigern.

Als Favoriten bei der Präsidentschaftswahl gelten laut Umfragen die Chefin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, und der Kandidat der bürgerlichen Rechten, Francois Fillon. Gegen Fillon laufen derzeit allerdings Ermittlungen wegen Freunderlwirtschaft, die seine Umfragewerte deutlich haben abstürzen lassen.

Das Wahlkampfteam Fillons wies daher am Dienstag energisch Spekulationen über geschäftliche Verbindungen des Konservativen nach Russland zurück. Fillons Beratungsfirma habe keine russischen Kunden gehabt, sagte dessen Kampagnenleiter Bruno Retailleau. Das schließe auch den russischen Staat und Präsident Wladimir Putin ein.

Der Präsidentschaftskandidat der Grünen, Yannick Jadot, hatte Fillon am Montag aufgefordert, die Namen seiner möglichen Kunden aus Russland offenzulegen. Er berief sich dabei auf Gerüchte.

Fillon wirbt für ein Ende der Sanktionen gegen Russland und eine Annäherung an Moskau. Er hatte seine Beratungsfirma 2F Conseil im Jahr 2012 gegründet, nach dem Ende seiner Amtszeit als Premierminister. Nach Angaben der Satire- und Investigativzeitung "Canard Enchaine" sind ihm aus der Firma seit ihrer Gründung rund 757.000 Euro netto zugeflossen.

Die Pariser Finanzstaatsanwaltschaft hat zudem vorläufige Ermittlungen eröffnet, weil er seine Frau jahrelang zum Schein als parlamentarische Assistentin beschäftigt haben soll. Dabei geht es um Staatsgelder in Höhe von rund 500.000 Euro. Am Montag wurden beide erstmals befragt.

Quelle: Apa/Ag.

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