Weltpolitik

Fünf IS-Verdächtige in Deutschland festgenommen

Die deutsche Bundesanwaltschaft hat am Dienstag fünf mutmaßliche Anwerber der Extremistenmiliz IS verhaften lassen. Die Männer hätten ein Netz gebildet, um junge Muslime für den Jihad zu gewinnen und bei der Ausreise nach Syrien zu unterstützen, erklärte die Behörde am Dienstag in Karlsruhe. Unter den Festgenommenen sei auch der einflussreiche Prediger "Abu Walaa".

Fünf IS-Verdächtige in Deutschland festgenommen SN/APA (dpa)/Julian Stratenschulte
Ermittlungen liefen mehrere Monate lang.

Der auch als "Prediger ohne Gesicht" bekannte 32-jährige Iraker Ahmad Abdulaziz Abdullah A. gilt Ermittlern schon seit Jahren als zentrale Figur im deutschen Islamismus. Nach Angaben der deutschen Bundesanwaltschaft war er Anführer der Gruppe. Aus Sicherheitskreisen verlautete, dass der Iraker schon seit mindestens einem Jahr unter Beobachtung der Behörden stand. Er predigte in einer Moschee in Hildesheim, die Ende Juli durch eine Razzia in die Schlagzeilen geraten war.

Zwei weitere Beschuldigte, ein 50-jähriger Türke und ein 36 Jahre alter Deutsch-Serbe, hätten den Ausreisewilligen Arabisch beigebracht und sie in der radikalislamischen Lehre unterrichtet. "Der Unterricht diente dazu, die ideologischen und sprachlichen Grundlagen für eine zukünftige Tätigkeit beim IS, insbesondere für die Teilnahme an Kampfhandlungen, zu schaffen", erklärte die Bundesanwaltschaft.

Abu Walaa habe die Ausreisen gebilligt und organisiert. Mit der konkreten Umsetzung habe er zwei weitere Beschuldigte, einen 27 Jahre alten Deutschen und einen 26-jährigen Kameruner, beauftragt. Auf diese Art habe das Netz nachweislich mindestens einen jungen Mann mit seiner Familie zum IS nach Syrien geschleust. Die Beschuldigten würden am Dienstag und Mittwoch dem Haftrichter beim Bundesgerichtshof vorgeführt.

Der deutsche Justizminister Heiko Maas sprach von einem wichtigen Schlag gegen die extremistische Szene in Deutschland. "Die Festnahmen zeigen: Unsere Ermittlungsbehörden sind wachsam und gehen sehr konsequent gegen Terrorverdächtige vor."

Die "Süddeutsche Zeitung" sowie NDR und WDR berichteten, die Sicherheitsbehörden hätten schon länger beobachtet, dass es nach Islamseminaren Abu Walaas in einer Moschee in der Hildesheimer Nordstadt zu Ausreisen in Richtung Syrien gekommen sei.

Maßgeblichen Anteil an den Verhaftungen hätten die Aussagen eines IS-Rückkehrers, der sich nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in Syrien von den Extremisten losgesagt habe. Er habe Abu Walaa in einem Interview als "die Nummer 1 des IS in Deutschland" bezeichnet. Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft wollte sich nicht dazu äußern, ob die Behörde Abu Walaa tatsächlich so weit oben in der IS-Hierarchie einstuft.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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