Weltpolitik

Für Putin läuft Angriff auf Ukraine wie geplant

Der Angriff auf die Ukraine verläuft nach den Worten von Russlands Präsident Wladimir Putin wie geplant. "Die spezielle Militäroperation verläuft streng nach Plan. Alle Aufgaben werden erfolgreich erfüllt", sagte Putin am Donnerstag in einer Fernsehansprache. Am achten Tag des russischen Krieges in der Ukraine betonte er erneut, dass es sich um einen Kampf gegen "Neonazis" handle, von denen das Nachbarland befreit werden müsse.

Erste ukrainische Großstadt Cherson erobert (Symbolbild) SN/APA/AFP/PABLO PORCIUNCULA
Erste ukrainische Großstadt Cherson erobert (Symbolbild)

Ukrainer und Russen seien "ein Volk", sagte er weiter während einer Sitzung des russischen Sicherheitsrates. Russland hatte vor einer Woche mit einem Großangriff auf die Ukraine begonnen. Russische Bodentruppen drangen anschließend binnen weniger Stunden bis in den Großraum Kiew vor, seitdem stockt der Vormarsch jedoch. Experten sehen eine hohe Moral unter den ukrainischen Soldaten und der Bevölkerung und überraschende logistische Schwierigkeiten bei der russischen Armee.

Russland verstärkte unterdessen abermals seine Luftangriffe auf Ziele in der Ukraine. Nach Angaben ukrainischer Behörden gab es auch am Donnerstag wieder Dutzende Tote - allein 33 in der Großstadt Tschernihiw, wo augenscheinlich ein Wohnblock getroffen wurde. Laut den Vereinten Nationen sind inzwischen mehr als eine Million Menschen geflüchtet, bis zu zehn Millionen könnten es nach UNO-Schätzung werden. Auch die EU-Kommission rechnet mit mehreren Millionen Kriegsflüchtlingen, die nach einem Beschluss der Mitgliedstaaten vom Donnerstag schnell und unkompliziert aufgenommen werden sollen.

Russlands Staatsführung machte wenig Hoffnung darauf, dass der militärische Druck auf die Ukraine und das Blutvergießen dort bald nachlassen könnten. "Wir sind gesprächsbereit, aber wir werden unsere Operation fortsetzen", sagte Außenminister Sergej Lawrow. In einem Telefonat mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron drohte Putin nach Kreml-Angaben, weitere Forderungen an die Ukraine zu stellen. Zuallererst gehe es um die Demilitarisierung der Ukraine und deren neutralen Status.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj gab sich weiter kämpferisch. "Sie werden hier keinen Frieden haben, sie werden hier kein Essen haben, sie werden hier keine ruhige Minute haben", betonte er in einer Videobotschaft über die russischen Truppen. Außerdem forderte er Putin erneut zu direkten Gesprächen auf.

Bei den russischen Angriffen auf die ostukrainische Millionenstadt Charkiw und deren Umgebung wurden nach Angaben örtlicher Behörden am Mittwoch und Donnerstag mindestens 34 Zivilisten getötet und Hunderte verletzt, darunter mehrere Kinder. Diese Angaben können nicht unabhängig überprüft werden.

Auch in der Hauptstadt Kiew gab es in der Nacht auf Donnerstag mehrere schwere Explosionen. Luftalarm wurde ausgelöst, wie die Agentur UNIAN berichtete. Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko schrieb bei Telegram: "Der Feind versucht, in die Hauptstadt durchzubrechen." Nach Angaben des ukrainischen Generalstabs setzten sich russische Truppen nördlich und nordwestlich von Kiew in 20 bis 30 Kilometern Entfernung von der Stadtgrenze fest und errichteten Feldlager.

Die südukrainische Hafenstadt Mariupol ist nach russischen Angaben inzwischen komplett eingeschlossen. Die rund 440.000 Einwohner haben nach Angaben örtlicher Behörden weder Wasser, Heizung noch Strom. Die südliche Gebietshauptstadt Cherson wurde von der ukrainischen Armee offenbar aufgegeben.

Nach Einschätzung aus US-Verteidigungskreisen sind bisher 90 Prozent der rund 150.000 zuvor an der Grenze zur Ukraine versammelten russischen Soldaten in das Land vorgerückt. Davon wurden laut ukrainischen Angaben seit Beginn des Kriegs etwa 9.000 russische Soldaten getötet. Hunderte Militärfahrzeuge, darunter mehr als 200 Panzer, sowie Dutzende Flugzeuge und Hubschrauber seien zerstört worden. Russland hatte am Mittwoch 498 getötete Soldaten in den eigenen Reihen bestätigt und von fast 3.000 toten "Soldaten und Nationalisten" auf der Gegenseite gesprochen. Auch diese Angaben können nicht unabhängig überprüft werden.

Der Chefankläger des Weltstrafgerichts, Karim Khan, leitete Ermittlungen zu Kriegsverbrechen in der Ukraine ein. Um den Druck auf Russland zu erhöhen, kündigte die US-Regierung weitere Sanktionen an.

Angesichts der massiven Spannungen zwischen dem Westen und der Atommacht Russland treibt die Sorge vor einer nuklearen Eskalation der Lage nicht nur den russischen Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow um. "Das wäre natürlich ein Alptraum, aber ich schließe nicht aus, dass es irgendwann tatsächlich Versuchungen geben könnte, auf den nuklearen Knopf zu drücken." Angesichts gleichlautender Warnungen auch aus anderen Ländern warf Russland dem Westen Panikmache vor.

Aufgerufen am 26.05.2022 um 10:13 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/fuer-putin-laeuft-angriff-auf-ukraine-wie-geplant-117868630

Krieg in der Ukraine

Krieg in der Ukraine

Jetzt lesen

Kommentare

Schlagzeilen