Weltpolitik

Gaddafi-Sohn Saif al-Islam äußert Präsidentschaftsambitionen

Saif al-Islam, wegen Kriegsverbrechen international gesuchter Sohn des früheren libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi, hat Präsidentschaftsambitionen geäußert. In einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der "New York Times" sagte der seit Jahren nicht mehr öffentlich aufgetretene Gaddafi-Sohn, die libyschen Politiker der vergangenen zehn Jahre hätten dem Land "nichts als Elend" gebracht. Nun sei es "Zeit für eine Rückkehr zur Vergangenheit".

Saif al-Islam wird vom IStGH wegen Kriegsverbrechen gesucht SN/APA/AFP/-
Saif al-Islam wird vom IStGH wegen Kriegsverbrechen gesucht

Vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) wird al-Islam wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen gesucht. Ein Gericht in Tripolis verurteilte ihn zudem 2015 in Abwesenheit zum Tode. Er sei "zuversichtlich, dass diese juristischen Probleme wegverhandelt werden können", wenn eine Mehrheit der Libyer ihn "als ihren Anführer wollen", sagte al-Islam der "New York Times".

Saif al-Islam, der die International Business School in Wien besucht hat und enge Beziehungen zu dem früheren Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider pflegte, galt lange als möglicher Nachfolger seines Vaters. Vor der Revolte gegen Gaddafi galt er als Befürworter einer Annäherung an den Westen und einer Öffnung des Systems, nach Beginn der Proteste im Februar 2011 befürwortete er jedoch ein hartes Vorgehen gegen die Opposition. Einen Monat nach dem Tod seines Vaters im Oktober 2011 wurde auch Saif al-Islam gefasst.

Bis zu dem aktuellen Interview, das laut der Zeitung in einer Villa in der libyschen Stadt Sintan geführt wurde, hatte es seit Juni 2014 kein öffentliches Lebenszeichen des Gaddafi-Sohnes gegeben. In dem Interview sagte er nun, die Milizionäre, die ihn einst festgenommen hätten, seien heute seine "Freunde". Er sei ein freier Mann, der seine Rückkehr in die Politik organisiere.

Libyen ist seit dem Sturz Gaddafis 2011 von gewaltsamen Konflikten und Machtkämpfen geprägt. Auch ausländische Truppen und Söldnergruppen etwa aus Russland und der Türkei sind vor Ort in Kämpfe verwickelt. Unter der aktuellen Übergangsregierung von Ministerpräsidenten Abdulhamid Dbeibah sind Parlamentswahlen für den 24. Dezember geplant. Eine seit Oktober geltende Waffenruhe in dem Land gilt als brüchig.

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