Weltpolitik

Geburtsvideo als Werbespot für die EU-Wahl wurde Internethit

Das EU-Parlament zeigt emotionsgeladene Bilder von Geburten, um die Europäer Ende Mai zur Wahl zu rufen.

Die ganz großen Gefühle, wenn ein Kind geboren wird: Die spricht das EU-Parlament in einem Werbespot an. SN/dpa
Die ganz großen Gefühle, wenn ein Kind geboren wird: Die spricht das EU-Parlament in einem Werbespot an.

Brüssel, Wien. Ganz großes Kino oder jedenfalls ganz große Gefühle: Darauf setzt das Europäische Parlament in einem Werbespot, das die Europäer dazu animieren soll, wählen zu gehen. Im Netz funktioniert es. 75 Millionen Mal wurde das Video, das seit 25. April online ist, in nur einer Woche aufgerufen. "Ein beispielloser Erfolg für eine institutionelle Kampagne", jubelt das EU-Parlament in einer Aussendung.
Der dreiminütige Spot zeigt echte Szenen von Geburten aus mehreren EU-Ländern, der Zuseher wird Zeuge von Schmerzen, Bangen, Freude und Glück. Die Stimme eines Mädchens kommentiert das Geschehen. Es spricht über die Zukunft und endet mit dem Satz "Wähle das Europa in dem ich aufwachsen soll."


Ende Mai finden die Wahlen zum Europäischen Parlament statt, Österreich ruft seine Bürger am 26. Mai zu den Urnen. Die Wahlbeteiligung lag EU-weit zuletzt bei nur 42,6 Prozent. Das Werbevideo, das der Regisseur Frédéric Planchon gedreht hat, soll mehr Menschen Lust aufs Wählen machen. Seine Produktion in allen 24 EU-Sprachen, fünf Welt- und 31 Gebärdensprachen hat sich das Parlament rund 2,5 Millionen Euro kosten lassen. Es gibt auch Kino-, TV- und Radioversionen.
Das Werbevideo mit dem Titel "Wählen Deine Zukunft" ist zentraler Teil der Kampagne für eine höhere Wahlbeteiligung (Gesamtkosten 33 Millionen Euro). Dazu zählt unter anderem auch ein EU-Quiz, in dem man sein europapolitisches Wissen testen kann.


Speziell an junge Wähler in allen 28 EU-Staaten wendet sich die Webseite des EU-Parlaments diesmalwaehleich.eu. Huberta Heinzl von der Verbindungsstelle des EU-Parlaments in Wien berichtet über gute Resonanz in Österreich. Man wisse aus Umfragen, dass es viele junge Menschen gebe, die zwar pro-europäisch eingestellt seien, aber nicht unbedingt zur Wahl gingen. "Die Idee war, diese Leute zur Urne zu bringen", sagt Heinzel. Dahingehende Überzeugungsarbeit leisten aber nicht Mitarbeiter des EU-Parlaments, sondern junge, europabegeisterte Menschen. "Wir sind nur die Moderatoren", sagt Heinzel. Sprich: Das EU-Parlament stellt privaten wie auch institutionellen Initiativen die Webseite als Plattform zur Verfügung, auf der sie etwa Veranstaltungen ankündigen und bewerben können. Europaweit haben sich bereits 270.000 Menschen angemeldet und tauschen sich über die sozialen Medien aus. Laut Heinzel wurden allein in Österreich Hunderte Veranstaltungen solcherart promotet.

Aufgerufen am 18.01.2021 um 09:14 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/geburtsvideo-als-werbespot-fuer-die-eu-wahl-wurde-internethit-69709744

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