Weltpolitik

Gefangen, gefoltert, geflohen: Eine Frau stellt sich gegen den IS

Die 23-jährige Jesidin Nadia Murad Basee Taha spricht bei der UNO-Generalversammlung über ihre Vergangenheit als Sexsklavin des IS.

Gefangen, gefoltert, geflohen: Eine Frau stellt sich gegen den IS SN/un
Nadia Murad Basee Taha in New York.

Die Stille in dem imposanten Saal des UN-Sicherheitsrates war erdrückend. So eben hatte eine 23-jährige Frau in New York von ihren grauenhaften Erfahrungen als Sexsklavin der Terrormiliz IS erzählt. Die Diplomaten schwiegen nachdem Nadia Murad Basee Taha ihre Gefangenschaft geschildert hatte, sie selbst kämpfte mit den Tränen. Das war im Dezember 2015. Nun wurde die 23-Jährige vergangene Woche zur UNO-Sonderbotschafterin für die Würde der Opfer von Menschenhandel ernannt. Auch für den Friedensnobelpreis wurde Nadia Murad Basee Taha nominiert.

Beim aktuellen UNO-Gipfel werden die Staats- und Regierungschefs, darunter auch Österreichs Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) und Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP), wieder Murads Schilderungen über verschleppte Frauen im syrischen Bürgerkrieg hören. Die junge Frau weiß, welche Gräuel die Frauen erleben. Im August 2014 wurde ihr Dorf Kocho vom IS überfallen. In dem Ort wohnten vorwiegend Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden. Die Terrormiliz tötete eine Vielzahl der Männer des Dorfes, auch die Brüder der neuen UN-Sonderbotschafterin starben. Hunderte Frauen und Kinder wurden verschleppt und auf Sklavenmärkten wie Ware gehandelt. In Syrien und im Irak war die junge Frau Opfer von Gruppenvergewaltigungen geworden, mehrmals wurde sie weiterverkauft. "Ich wurde auf die Art und Weise benutzt, wie sie es wollten", sagte die 23-Jährige.

Verbrechen nicht vergessen

"Ich hatte Glück, denn ich konnte entkommen, was tausenden anderen nicht gelang", sagte sie bei der Zeremonie am UNO-Sitz. Murad fand in Deutschland Zuflucht. Über Twitter bedankte sich die zierliche Frau erst kürzlich bei der deutschen Regierung für die Flüchtlingspolitik. "Danke Deutschland, für die Unterstützung von Millionen von Flüchtlinge. Auch von 1000 Frauen und Mädchen, wie mich." Murad fordert die Freilassung von schätzungsweise 3200 jesidischen Frauen und Mädchen, die weiter als Sexsklavinnen vom IS festgehalten werden, und verlangte, die Täter vor Gericht zu stellen. Ihre große Angst sei es, dass die IS-Kämpfer, wenn die Miliz einmal besiegt sei, "einfach ihre Bärte abrasieren und durch die Straßen der Städte gehen, als sei nichts gewesen", sagte Murad. "Wir dürfen das nicht geschehen lassen."

Schicksal rührt UNO-Generalsekretär

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, er sei "zu Tränen gerührt" vom Schicksal der jungen Frau, aber auch von "ihrer Kraft, ihrem Mut und ihrer Würde".

Als Sonderbotschafterin der UNO wird Murad auf das Leid der Opfer von Menschenhandel aufmerksam machen, vor allem auf das Schicksal von Flüchtlingen, Frauen und Mädchen. Unterstützt wird sie dabei von der Anwältin Amal Clooney. Diese bezeichnete das Vorgehen des IS gegen die Jesiden als "Völkermord". "Und wir wissen, dass er andauert", fügte sie hinzu. "Ich schäme mich als Mensch, dass wir ihre Hilferufe ignorieren", sagte Clooney mit Blick auf die Opfer.

Anlässlich der beginnenden Generaldebatte der UNO-Vollversammlung in New York, zu der Staats- und Regierungschefs aus aller Welt anreisen, wollen der Irak und Großbritannien am Montag eine Kampagne für die Bestrafung von Verbrechen des IS starten.

Quelle: SN, Apa, Dpa

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