Gefangen in der Drehtür: Wenn Sicherheit zur Hürde wird

Sicherheit wird in Brüssel großgeschrieben. Mitunter treibt der Kontrollzwang beim Zugang in EU-Gebäude seltsame Blüten.

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Standpunkt Monika Graf

Brüssel ist die Zentrale der Sicherheitschecks - und das nicht erst seit den Terroranschlägen. Kaum sonst wo in Europa werden so viele Gebäude so streng kontrolliert und sind Eingänge so verbarrikadiert wie in der Hauptstadt der EU. Auch die österreichische Vertretung auf der Avenue de Cortenbergh, bisher nur durch eine einfache Glastür geschützt, die jedem, der anläutete, geöffnet wurde, rüstet zeitgerecht für den EU-Ratsvorsitz nach.

Das Zugangssystem werde "verbessert und den notwendigen Sicherheitsstandards angepasst", heißt es. Besucher können künftig im Vorraum statt auf der Straße warten. Dann müssen sie jedoch einzeln durch die neuen Sicherheitsschleusen, die derzeit eingebaut werden.

Die Glasröhren, die entfernt an "Star Trek" erinnern, sind eine von vielen Varianten, um den allzu lockeren Zugang zu Büros oder Konferenzräumen in Brüssel zu verhindern. Die deutsche EU-Botschaft hat ein Doppeltür-System gewählt - von denen sich immer eine öffnet, was etwas weniger Klaustrophobie hervorruft. Andere setzen einen Polizisten vor ihre EU-Vertretung, der Ausweise kontrolliert.

Sogar zwischen den EU-Institutionen - Zufall oder besondere Verwirrtaktik - gibt es große Unterschiede bei den Zugangskontrollen.

Die Sicherheitsmitarbeiter vor dem Parlament wollen auch von akkreditierten Journalisten einen Ausweis sehen - zusätzlich zur Zugangskarte. In der EU-Kommission wollen sie in die Handtasche schauen. Vor dem Ratsgebäude geben sie kleine weiße Plastikkarten aus, die man braucht, um wieder hinauszukommen.

Kommen größere Besuchergruppen, reicht die Schlange der Wartenden vor den Checks oft bis ins Freie, wo es empfindlich nass oder windig sein kann. Im EU-Parlament in Straßburg reicht die Schlange während der Plenarwochen immer ins Freie. Die Container, in denen die Kontrollen stattfinden, sind zu klein.

Ist man endlich im EU-Gebäude, folgt wie am Flughafen die Durchleuchtung von Taschen und Computern und der Gang durch den Metalldetektor. Jeden Tag das gleiche Prozedere, oft zwei, drei Mal, abhängig von den Terminen. Viele Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes sind seit Jahren dort tätig, kontrollieren täglich dieselben Personen. Der am wenigsten fordernde Job ist derzeit jedoch der des Türöffners. Vor jeder Schiebetür, Schleuse oder Drehtür steht ein Sicherheitsmitarbeiter, der diese mit seiner Plastikkarte für Besucher öffnet oder in Bewegung setzt. Gerade Drehtüren sind besonders bockig, sie stocken gern, wenn man ihnen zu nahe kommt, dann müssen sie "deblockiert" werden. Im neuen Ratsgebäude drehen sie - als besondere Schikane - nach links statt wie alle anderen nach rechts. "Bitte in diese Richtung" steht mittlerweile auf Schildern, die eigens an den Türen montiert wurden, was aber oft auch nicht hilft.

Das Europaparlament hat noch eine andere Hürde eingebaut, bei der sich nicht erschließt, inwiefern sie die Sicherheit erhöht: Je nachdem, ob man die Sicherheitszone im Eingang auf der rechten oder auf der linken Seite verlässt, führen die Rolltreppen nur nach oben oder nur nach unten. Ein Wechsel ist erst in der nächsten Etage möglich.

Bleiben eigentlich nur noch Zugbrücken, sollte sich die Sicherheitslage wieder verschlimmern. Danach sieht es aber nicht aus: Belgien hat erstmals seit 2015 die Terrorwarnstufe gesenkt.

Aufgerufen am 24.09.2018 um 07:38 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/gefangen-in-der-drehtuer-wenn-sicherheit-zur-huerde-wird-23312737

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