Weltpolitik

Gerichtsprozess im Skandal um unter Franco gestohlene Babys

In Spanien kommt erstmals ein früherer Arzt vor Gericht, der unter dem Diktator Francisco Franco an dem Diebstahl von Babys beteiligt gewesen sein soll. Ein Untersuchungsrichter machte den Weg frei für den Prozess gegen den ehemaligen Gynäkologen Eduardo Vela, wie aus einem gerichtlichen Dokument hervorgeht, das der Nachrichtenagentur AFP vorliegt.

Bis zu 300.000 Babys wurden unter Franco ihren Eltern geraubt.  SN/APA (AFP)/PIERRE-PHILIPPE MARCOU
Bis zu 300.000 Babys wurden unter Franco ihren Eltern geraubt.

Ein Termin für den Verfahrensbeginn steht demnach noch nicht fest. Dem 82-Jährigen werden Kindesentführung und Dokumentenfälschung vorgeworfen. Er soll 1969 die Geburtsurkunde der Klägerin Ines Madrigal gefälscht und ihre Adoptivmutter als ihre biologische Mutter eingetragen haben. Die inzwischen verstorbene Adoptivmutter soll Madrigal gestanden haben, dass sie damals als Freiwillige in einem Kloster arbeitete und über einen Priester Kontakt zu Vela erhielt, von dem sie das Baby erhielt.

Angel Casero von der Organisation Adelante Bebes Robados begrüßte die Prozessankündigung. Dies sei sehr wichtig, weil es den Weg für weitere Fälle bereite und den Leuten bewusst mache, "dass das, was wir sagen, die Wahrheit ist".

Insgesamt sind 35 Menschen in dem Skandal um Zehntausende Babys beschuldigt, die während der faschistischen Herrschaft Francos (1939-1975) bei der Geburt ihren biologischen Eltern weggenommen wurden.

Bis zu 300.000 Neugeborene sollen so ihren Eltern entrissen worden sein. Der Skandal wurde erst 2010 publik. Unter Franco war es erlaubt, Eltern ihre Kinder aus ideologischen oder moralischen Gründen wegzunehmen. Den Eltern wurde vielfach vorgetäuscht, ihre Kinder seien kurz nach der Geburt gestorben.

Quelle: Apa/Ag.

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