Weltpolitik

Goebbels-Sekretärin mit 106 Jahren gestorben

Die frühere Sekretärin des NS-Propagandaministers Joseph Goebbels ist tot. Brunhilde Pomsel sei im Alter von 106 Jahren in der Nacht auf Samstag in München gestorben, bestätigte am Montag der österreichische Filmemacher Christian Krönes von der Produktionsfirma blackbox, der den Dokumentarfilm "Ein deutsches Leben" über die Erinnerungen Pomsels produziert hat.

Brunhilde Pomsel starb in Münchner Altersheim.  SN/APA (AFP)/CHRISTOF STACHE
Brunhilde Pomsel starb in Münchner Altersheim.

Pomsel hatte 1942 im Propagandaministerium der Nationalsozialisten als Sekretärin begonnen, nah dran am Führungskreis des Terrorregimes, das den Holocaust und den Zweiten Weltkrieg zu verantworten hat. Von den menschenverachtenden Plänen will sie allerdings nichts mitbekommen haben. "Nichts haben wir gewusst, es ist alles schön verschwiegen worden und das hat funktioniert", sagte sie in dem Dokumentarfilm, der am 7. April in die österreichischen Kinos kommt. Erst nach dem Krieg sei ihr das Ausmaß der Geschehnisse bewusst geworden.

Pomsel wurde am 11. Jänner 1911 geboren. Sie wuchs in Berlin auf, ihre Eltern erzogen sie im damaligen Zeitgeist - streng, "preußisches Pflichtbewusstsein, ein bisschen auch dieses Sich-Unterordnen". Nach der Schule arbeitete sie bei einem jüdischen Rechtsanwalt, dann beim Rundfunk und ab 1942 im Propagandaministerium. Ihren Chef Goebbels habe sie als gepflegten und angenehmen, wenn auch arroganten Mann erlebt. Im Gegensatz dazu Auftritte wie 1943 im Sportpalast in Berlin, wo der Demagoge die Masse aufpeitschte mit der Frage "Wollt ihr den totalen Krieg?". Die Menschen im Saal rasten vor Begeisterung, nach Ansicht Pomsels waren sie "behext". "Es war ein Naturereignis, die ganze Menge konnte nichts dafür und er selber wahrscheinlich auch nicht."

Nach dem Krieg kam Pomsel in sowjet-russische Gefangenschaft. Das sei unfair gewesen, erklärte sie den Filmemachern, "weil ich ja nichts getan hatte, als bei Herrn Goebbels getippt, und was dahinter steckte, wusste ich ja alles gar nicht". Als schuldig sehe sie sich nicht an, es sei denn, man werfe dem ganzen deutschen Volk vor, Hitler zur Macht verholfen zu haben. "Das sind wir alle gewiss gewesen, auch ich." Ganz unbefangen fühlte sie sich aber dennoch nicht. "Das hört ja nie auf, das weiß ich doch und das ist immer da so wie jeden Morgen die Sonne aufgeht", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur anlässlich der Deutschlandpremiere der Doku von Krönes im Sommer 2016 auf dem Filmfest München. "Das hat sich natürlich in mein Leben eingefressen, was alles an Schrecklichem passiert ist."

Der Film ist so etwas wie ihr Vermächtnis. Produzent Krönes, der mit drei anderen Regie geführt hat, spricht von einem zeithistorischen Dokument, vor allem für Schulen, Museen und Bildungseinrichtungen. Das ist auch Sinne von Pomsel selbst. Vor allem junge Menschen sollten den Film sehen, hatte sie sich im Sommer gewünscht.

Der Nachrichtenagentur AFP hatte Pomsel im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit der Präsentation des Dokumentarfilms gesagt, sie finde das Erstarken der Rechtspopulisten "grauenvoll, ganz grauenvoll". Obwohl sie selbst im Führerbunker arbeitete, wollte sie Diktator Adolf Hitler hingegen nie persönlich kennengelernt haben. Sie habe ihm 1933 bei einer öffentlichen Veranstaltung zugejubelt - "da hat man ja aber auch noch nicht gewusst, was auf uns zukam."

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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