Griechenland ist jetzt offenbar auf dem richtigen Weg

Mit der Verabschiedung des jüngsten Spar- und Reformpakets hat Griechenland einen weiteren Schritt aus der Krise gemacht.

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Standpunkt Gerd Höhler

Lang schien Griechenland ein hoffnungsloser Fall und ein Fass ohne Boden zu sein. Trotz immer neuer Hilfskredite kam das Land nicht auf die Beine. Erst das dritte, im Sommer 2015 geschnürte Rettungspaket brachte die Wende.

Es ist eine pikante Ironie, dass Griechenland jetzt ausgerechnet unter dem populistisch auftretenden Sozialdemokraten Alexis Tsipras die Kurve kriegt. Denn schließlich war es Tsipras, der vor drei Jahren als Oppositionsführer seinen Anhängern versprochen hat, die Kreditverträge mit den internationalen Geldgebern zu "zerreißen", die Bedienung der griechischen Staatsschulden einzustellen und die verhasste "Troika" der internationalen Geldgeber für immer aus Athen zu vertreiben.

Das waren unerfüllbare Wahlversprechen: Nachdem Tsipras und sein exzentrischer
Finanzminister Yanis Varoufakis in den ersten sechs Monaten ihrer Amtszeit das Land an den Abgrund der Staatspleite geführt hatten, blieb ihnen keine andere Wahl als bedingungslose Kapitulation vor Forderungen der Geldgeber.

Jetzt trägt die Konsolidierung der Staatsfinanzen endlich Früchte. Auch die Konjunktur zieht wieder an. Nach acht Jahren Talfahrt, in denen Griechenland ein Viertel seiner Wirtschaftskraft verloren hat, wächst das Bruttoinlandsprodukt wieder. Im vergangenen Jahr legte die Wirtschaft um gut ein Prozent zu, in diesem Jahr könnten es 2,5 Prozent sein.

Der wohl wichtigste positive Indikator ist die Kursentwicklung der griechischen Staatsanleihen. Die Rendite des zehnjährigen Bonds fiel im Jänner auf den niedrigsten Stand seit zwölf Jahren. Das signalisiert, dass die Anleger wieder Vertrauen in die Kreditwürdigkeit des Landes fassen.

Für die internationalen Geldgeber war Premier Tsipras seit dem Beinahe-Zusammenbruch Griechenlands im Sommer 2015 ein viel einfacherer, ja willfähriger Partner als seine konservativen und sozialdemokratischen Vorgänger. Aber Tsipras hadert mit seiner Rolle: Nach eigenem Eingeständnis glaubt er nicht an die Politik, die er umsetzen muss. Das kann den Gläubigern zunächst gleichgültig sein. Es könnte aber zum Problem werden, wenn Griechenland im August aus dem Programm entlassen wird und nicht mehr auf Hilfskredite angewiesen ist. Dreht Tsipras dann die Reformen zurück? Vergisst er die Haushaltsdisziplin und verteilt Geschenke, um seine Chancen bei der spätestens im September 2019 fälligen Parlamentswahl aufzubessern?

Zu raten wäre es ihm nicht. Denn nicht nur die öffentlichen Gläubiger, denen die Griechen 261 Mrd. Euro schulden, werden das Land im Auge behalten. Vor allem an den Finanzmärkten bleibt Athen unter Beobachtung. Anleger und Investoren werden sehr genau prüfen, ob die griechische Regierung die Politik der Strukturreformen und der Haushaltskonsolidierung fortsetzt. Fällt Griechenland in alte, schlechte Gewohnheiten zurück, wird es das mühsam zurückgewonnene Vertrauen schnell verspielen - und seinen Marktzugang wieder verlieren.

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