Weltpolitik

Guterres würdigt den UNO-Standort Wien

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres hat am Montag in Wien der Republik Österreich seinen Dank als Gastland für wichtige UNO-Organisationen ausgesprochen. Die Vereinten Nationen stünden vor großen Herausforderungen und "leisten einen wesentlichen Beitrag für Frieden und Sicherheit", sagte Guterres nach seinem Besuch beim Bundespräsidenten in der Hofburg.

Guterres traf auf Van der Bellen SN/APA/Bundesheer/PETER LECHNER
Guterres traf auf Van der Bellen

Als wichtig bezeichnete der frühere portugiesische Ministerpräsident die Tatsache, dass bedeutende Unterorganisationen der Vereinten Nationen in Europa angesiedelt sind. Guterres, der anlässlich des 40-jährigen Bestehens des VIC (Vienna International Center) in die Bundeshauptstadt kam, verwies auf die Gefahren des Klimawandels. Umso mehr schätze er die Klima-Konferenz "R20 Austrian World Summit", die am morgigen Dienstag in Wien stattfindet und den im September geplanten New Yorker UNO-Klimagipfel vorbereitet.

Die Klimakrise gefährde das Leben aller, warnte Guterres. Er erinnerte an bereits feststellbare Folgen, wie die Naturkatastrophe in Mosambik und Dürre infolge ansteigender Temperaturen. All diese Gefahren kämen immer näher an Europa heran, so der UNO-Generalsekretär. Als Beispiel nannte er tropische Krankheiten. Die Weltgemeinschaft müsse handeln. "Aktion ist ein absolutes Muss." Das Pariser Abkommen war ein wichtiger Schritt, doch bis 2020 müssten die Staaten wichtige Schritte setzen, in der Finanz- und Steuerpolitik und beim Bau neuer Kraftwerke.

Bundespräsident Alexander Van der Bellen bezeichnete die Entscheidung, mit dem VIC bedeutende UNO-Institutionen in der Bundeshauptstadt anzusiedeln, als "Meilenstein für Österreich" und habe dem Land hohes Prestige gebracht. Das sei der damaligen Regierung zu verdanken; Bundeskanzler Bruno Kreisky (SPÖ) habe "mit großem Weitblick" gehandelt. In den folgenden Jahren seien in Wien wichtige Abkommen ausgehandelt worden, in der Drogen- und in der Atompolitik. Nukleare Sicherheit und Kampf gegen organisiertes Verbrechen seien Schlüsselaufgaben.

Der Bundespräsident plädierte für eine multilaterale Zusammenarbeit. Die UNO biete hierfür ein großes Potenzial. Van der Bellen lobte die Bemühungen auf dem Sektor des Klimawandels und verwies auf das Engagement der Jugend, das besonders gefragt sei. An der Wiener Konferenz am Dienstag nehmen auch der kalifornische Ex-Gouverneur und die Klimaaktivistin Greta Thunberg teil.

UNO-Chef Guterres hatte am Montag auch das interkulturelle Projekt am Yppenplatz (Day of Action) in Wien-Ottakring besucht und daran beteiligte Künstler getroffen. Der Politiker blickt auf eine lange Karriere im Dienste seines Landes und in internationalen Organisationen zurück. Er war in Portugal Ministerpräsident (1995-2002), auch Präsident der Sozialistischen Internationale (SI, 1999 bis 2005). Von 2005-2015 bekleidete er das Amt des Flüchtlingshochkommissars (UNHCR). Seit 1. Jänner 2017 ist er UNO-Generalsekretär.

Leider war es nicht möglich, dem heutigen UNO-Chef, der mitten in der österreichischen Regierungskrise in Wien weilt, Fragen zu stellen. War doch Guterres in einem anderen österreichischen Schicksalsjahr, vor fast 20 Jahren, nicht nur Regierungschef Portugals, sondern auch EU-Ratspräsident: Am 31. Jänner 2000 verkündete er die EU-Sanktionen gegen Österreich unter der damaligen Schwarz-Blau-Regierung von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. Knapp 20 Jahre später, am 27. Mai 2019, weilt er in Wien, um das Ende der türkis-blauen Regierung unter Kanzler Sebastian Kurz mitzuerleben.

Quelle: APA

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