Weltpolitik

Haftbefehle nach Mord an russischem Botschafter in Türkei

Einen Monat nach dem tödlichen Attentat auf den russischen Botschafter in der Türkei ist gegen zwei Verdächtige Haftbefehl erlassen worden. Einer von ihnen sei Polizist, meldete die Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi am Donnerstag. Beiden werde "Mitgliedschaft in der Fethullah-Terrororganisation" vorgeworfen. Damit ist die Bewegung um den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen gemeint.

Karlow wurde am 19. Dezember 2016 erschossen.  SN/APA (AFP)/UGUR KAVAS
Karlow wurde am 19. Dezember 2016 erschossen.

Der russische Botschafter Andrej Karlow war am 19. Dezember bei einer Ausstellung in der Hauptstadt Ankara von einem türkischen Polizisten erschossen worden. Der Attentäter wurde anschließend von Spezialkräften getötet. Unklar blieb, wie genau die beiden Verhafteten in den Anschlag involviert gewesen sein sollen.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte schon kurz nach dem Anschlag Verbindungen des Attentäters zur Gülen-Bewegung vermutet. Russland hatte ein Ermittlerteam in die Türkei geschickt, um die Hintergründe der Tat aufzuklären und vor verfrühten Schuldzuweisungen gewarnt.

In rund sechs Monaten seit dem Putschversuch in der Türkei sind laut Erdogan 43.000 Menschen wegen mutmaßlicher Verbindungen zum islamischen Prediger Fethullah Gülen verhaftet worden. Die türkische Führung macht den in den USA lebenden Gülen für den Putschversuch vom 15. Juli 2016 verantwortlich. Seitdem gehen die türkischen Behörden gegen mutmaßliche Gülen-Anhänger aber auch gegen Oppositionelle vor.

Erdogan kündigte außerdem weitere Maßnahmen gegen die "Mikroben, Viren und Verräter" an: "Diese Säuberungen sind noch nicht zu Ende", sagte er. "Wir haben noch viel zu tun. Wir sind noch nicht fertig." Der nach dem Putschversuch ausgerufene Ausnahmezustand wurde inzwischen bis zum 19. April verlängert.

Im Kampf gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK seien in den vergangenen eineinhalb Jahren außerdem 871 Sicherheitskräfte und 337 Zivilisten getötet worden. Rund 12.000 PKK-Kämpfer und "ihre Unterstützer" seien in Untersuchungshaft genommen und rund 10.000 PKK-Kämpfer "neutralisiert" worden.

Das türkische Militär geht im Südosten der Türkei seit dem Zusammenbruch des Friedensprozesses im Sommer 2015 massiv gegen die PKK vor. Die PKK wiederum verübt immer wieder Anschläge auf Sicherheitskräfte.

Quelle: Apa/Dpa

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