Weltpolitik

Haitis neuer Präsident Moise vor Mammutaufgabe

Nach einer monatelangen politischen Krise hat der neue haitianische Präsident Jovenel Moise die Regierungsgeschäfte übernommen. Der 48-Jährige legte am Dienstag vor Abgeordneten, Diplomaten und ausländischen Gästen seinen Amtseid ab. "Ich werde das Vertrauen in die Regierung wiederherstellen", versprach er bei seiner Antrittsrede im Präsidentenpalast. Er will Arbeitsplätze schaffen.

Jovenel Moise legte seinen Amtseid ab.  SN/APA (AFP)/HECTOR RETAMAL
Jovenel Moise legte seinen Amtseid ab.

Der Agrarunternehmer erreichte bei der Wahl im vergangenen November bereits in der ersten Runde die absolute Mehrheit. Er hatte schon 2015 bei der später wegen Manipulationsvorwürfen annullierten Wahl das beste Ergebnis erzielt. Zuletzt hatte Interimspräsident Jocelerme Privert das Land ein Jahr lang regiert.

"Wir können, wenn wir wollen", sagte Moise. "Aber wir müssen unsere Mentalität ändern." Die politischen Lager müssten ihre Grabenkämpfe beenden. Gemeinsam könnten die Haitianer ihr Land wieder aufbauen, Stabilität und Wohlstand schaffen, sagte der neue Staatschef.

Moise steht vor einer Mammutaufgabe: Der Karibikstaat leidet unter bitterer Armut, politischer Instabilität, Gewalt und Korruption. Drei Viertel der Haitianer leben von weniger als zwei Dollar (1,87 Euro) am Tag. Seit einem schweren Erdbeben im Jahr 2010 mit mehr als 220.000 Todesopfern ist das Land von internationaler Entwicklungshilfe abhängig.

Die internationale Gemeinschaft pumpte Milliarden in das Land, allerdings wurde viel Geld verschwendet. Dutzende Hilfsorganisationen und UN-Agenturen arbeiteten unkoordiniert nebeneinander her, der Großteil der Mittel lief an der Regierung vorbei. "So wurde der Staat geschwächt, den wir eigentlich unterstützen wollten", schrieb der UN-Wiederaufbaubeauftragte Bill Clinton in einem Bericht.

Haiti kommt nicht zur Ruhe: Im vergangenen Oktober zog der Hurrikan "Matthew" über das Land hinweg. Hunderte Menschen kamen ums Leben, Zehntausende verloren ihr Hab und Gut. Die politischen Lager blockieren sich gegenseitig. Gegen den Bananen-Exporteur Moise wird wegen Geldwäscheverdachts ermittelt. Er weist die Vorwürfe zurück und spricht von einem politischen Manöver.

"Zuerst muss Moise eine funktionierende Regierung aufstellen, die das Wohl des Landes im Blick hat und nicht strategisch von der Opposition blockiert wird", sagte der Hauptgeschäftsführer des Lateinamerika-Hilfswerkes Adveniat, Prälat Bernd Klaschka. "Eine wichtige Aufgabe wird sein, Haiti wieder für Investoren interessant zu machen und Arbeitsplätze zu schaffen."

Quelle: Apa/Dpa

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