Weltpolitik

Hochrangige Militärs laut Guaidó zu Seitenwechsel bereit

Der selbst ernannte venezolanische Interimspräsident Juan Guaidó erwartet nach eigenen Angaben, dass sich zahlreiche hochrangige Militärs im Machtkampf mit Staatschef Nicholás Maduro auf seine Seite schlagen werden. "Hochrangige Offiziere und mittelrangige Offiziere haben sich geäußert. Es gibt Unzufriedenheit im Militär", sagte Guaidó am Freitag.

Guaidó rief zu Marsch zu Militärkasernen und Stützpunkten auf SN/APA (AFP)/RONALDO SCHEMIDT
Guaidó rief zu Marsch zu Militärkasernen und Stützpunkten auf

Wie viele Soldaten genau sich seinem gescheiterten Militäraufstand am Dienstag angeschlossen hätten, sagte er nicht. Es seien aber Majore und Generäle darunter gewesen. Maduro hatte gedroht, die Beteiligten festnehmen zu lassen. Bisher habe es aber keine Festnahmen gegeben, so der Interimspräsident.

Seine Unterstützer rief Guaidó auf, am Samstag zu Militärkasernen und Stützpunkten zu marschieren, um die Armee zum Seitenwechsel zu bewegen. Dabei solle dem Militär "ein Dokument" oder "eine Erklärung" übergeben werden, sagte Guaidó. Für Sonntag plant die Opposition eine Mahnwache und Gebete für die Todesopfer der jüngsten Proteste. Bei den Demonstration in den vergangenen Tagen sind mindestens fünf Menschen getötet worden.

Am Dienstag war der Oppositionsführer Leopoldo López angeblich auf Anweisung Guaidós von aufständischen Soldaten aus dem Hausarrest befreit worden. Ein geplanter Umsturzversuch gegen die Regierung Maduros scheiterte allerdings zunächst. Mit seinem jüngsten Coup hat Guaidó wieder Bewegung in den zuletzt festgefahrenen Machtkampf gebracht.

Maduro muss sich auch Kritik aus den Nachbarländern Venezuelas gefallen lassen. Diese werfen Maduro den Schutz "terroristischer Gruppen" in Kolumbien vor. In einer am Freitag veröffentlichten gemeinsamen Stellungnahme der Lima-Gruppe von einem Dutzend amerikanischer Länder hieß es, man lehne jeglichen Versuch ab, Kolumbiens Präsidenten Ivan Duque zu ermorden oder die regionale Sicherheit zu untergraben. Maduro wirft dem rechten Duque, der Lima-Gruppe und den Vereinigten Staaten regelmäßig vor, sie wollten seine sozialistische Regierung stürzen. Kolumbien wiederum wirft Maduro vor, kolumbianische ELN-Rebellen zu beschützen.

Die Lima-Gruppe, zu der auch Kanada, Brasilien, Argentinien und Chile gehören, bekräftigte zugleich, dass sie gegen eine militärische Intervention zur Entmachtung Maduros ist. Sie ermutigte die Venezolaner, ihre Bemühungen für die Demokratie fortzusetzen.

Guaidó hatte sich am 23. Jänner selbst zum Interimspräsidenten ernannt, aber trotz breiter internationaler Unterstützung bisher vergeblich versucht, einen Machtwechsel in dem südamerikanischen Erdölland zu erzwingen.

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