Weltpolitik

Hochspannung vor NATO-Besuch von US-Verteidigungsminister

Selten wurde ein neuer US-Verteidigungsminister bei der NATO so mit Spannung erwartet. Nach der harschen Kritik von US-Präsident Donald Trump, der das Militärbündnis als "obsolet" bezeichnete, sehen viele europäische Verbündete in James Mattis einen Garanten für die Fortsetzung der transatlantischen Partnerschaft.

James Mattis gilt als "Kriegermönch".  SN/APA (Archiv/AFP)/MANDEL NGAN
James Mattis gilt als "Kriegermönch".

Beim Treffen der NATO-Verteidigungsminister ab Mittwoch in Brüssel richten sich deshalb alle Blicke auf den pensionierten Vier-Sterne-General. Der neue Pentagon-Chef hat schon vor seinem ersten Besuch im Hauptquartier des Bündnisses klar gemacht, dass er weiter auf die NATO setzt. Für ihn ist das Bekenntnis Washingtons zur Allianz "unerschütterlich". "Wenn wir die NATO nicht hätten, müssten wir sie erfinden", sagte der 66-Jährige bei seiner Anhörung für den Posten des Verteidigungsministers im US-Senat. Die NATO sei "entscheidend für die Sicherheit der Vereinigten Staaten".

Solche Äußerungen wirken beruhigend auf die durch den neuen US-Präsidenten geschockten Europäer. Und während Trump eine regelrechte Charmeoffensive gegenüber Wladimir Putin startete, will der russische Präsident laut Mattis das Bündnis "zerbrechen". Er sei zwar wie Trump gegenüber Moskau gesprächsbereit, sagte er. Es gebe aber "eine wachsende Zahl von Bereichen, in denen wir uns Russland entgegenstellen müssen".

Mattis vertritt damit lupenreine NATO-Positionen. Er selbst war auch bereits in der Führung der Militärallianz tätig. Von 2007 bis 2009 hatte er den Spitzenposten des Supreme Allied Commander Transformation (SACT) inne, der für die Reform der NATO zuständig ist. "Er kennt das Haus", heißt es hoffnungsvoll im Bündnis.

Daneben blickt Mattis auf vier Jahrzehnte in den US-Streitkräften zurück. Während des ersten Golfkriegs Anfang der 90er Jahre kommandierte er ein Bataillon der Marineinfanterie, nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 einen Einsatzverband in Südafghanistan. Während der zweiten US-Invasion im Irak führte Mattis dann 2004 die Schlacht um Falluja an, eine der blutigsten des Krieges.

In der Truppe hat der hochdekorierte Marineinfanterist den Spitznamen "Mad Dog" (verrückter Hund). Seine mitunter drastische Wortwahl hat seiner Reputation nicht geschadet. Seinen Soldaten im Irak etwa gab Mattis die Anweisung: "Seid höflich, seid professionell, aber habt einen Plan dafür, jeden zu töten, dem ihr begegnet."

Mattis war nie verheiratet und hat keine Kinder - weshalb ihn manche als "Kriegermönch" bezeichnen. Einen großen Teil seiner Freizeit hat er darauf verwendet, das Kriegshandwerk auch theoretisch zu erlernen - gerne erzählt er von seinen vielfältigen Lektüren zur Militärgeschichte.

2010 wurde Mattis zum Oberbefehlshaber des US-Zentralkommandos ernannt, das für die Militäreinsätze im gesamten Nahen und Mittleren Osten zuständig ist. Auf diesem Posten koordinierte er unter anderem den US-Truppenabzug aus dem Irak.

Als Präsident Barack Obama ihn nach drei Jahren abberief, gab es Spekulationen, dass die Kritik des Generals an der Annäherungspolitik gegenüber dem Iran der Auslöser gewesen sein könnte. Auch als Pensionist hat Mattis immer wieder gegen die Obama-Regierung geschossen. So bemängelte er ein zu unentschlossenes Vorgehen gegen die Jihadistenmiliz "Islamischer Staat".

Diese Kritik ist wohl einer der Gründe, warum Mattis für Trump auf dem Pentagon-Posten erste Wahl war. Nachdem auch der US-Präsident seinen Ton gegenüber der NATO gemäßigt hat, dürfte der Ex-General nun vor allem zwei Aufgaben haben: die europäischen Verbündeten zu höheren Verteidigungsausgaben zu treiben und mehr Engagement im Anti-Terrorkampf einzufordern. Auf ein einfaches "Weiter so" dürfen sich die Europäer damit auch unter Mattis nicht einstellen.

Quelle: Apa/Ag.

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