Weltpolitik

Hollande gesteht London Zeit für Brexit-Verhandlungen zu

Der französische Präsident Francois Hollande hat beim Antrittsbesuch der britischen Premierministerin Theresa May in Paris Großbritannien Zeit für die "Vorbereitung" von Verhandlungen über den Austritt aus der Europäischen Union zugestanden. Während einer gemeinsamen Pressekonferenz sagte er am Donnerstag, vor den Verhandlungen könne es "keine Diskussion, keine Vorverhandlung" geben.

Hollande gesteht London Zeit für Brexit-Verhandlungen zu SN/APA (AFP)/STEPHANE DE SAKUTIN
Hollande und May hielten eine gemeinsame Pressekonferenz in Paris.

Allerdings könnten die Verhandlungen vorbereitet werden. Zugleich bekräftigte Hollande, je früher dies erfolge, desto besser - "im gemeinsamen Interesse Europas, des Vereinigten Königreichs, unserer jeweiligen Volkswirtschaften". London müsse zwischen einem gemeinsamen Binnenmarkt und freiem Warenverkehr oder einem "anderen Status" entscheiden.

Hollande bekräftigte, dass er bei den Verhandlungen über den künftigen Zugang Großbritanniens zum europäischen Binnenmarkt keine Kompromisse akzeptieren will. "Das Vereinigte Königreich muss sich entscheiden: im Binnenmarkt bleiben und die Personenfreizügigkeit akzeptieren, oder einen anderen Status haben."

Die beiden Politiker betonten, dass ihre Länder die enge Zusammenarbeit insbesondere im Verteidigungsbereich auch nach einem EU-Austritt der Briten fortsetzen wollten. Die beiden Länder kooperieren unter anderem bei der Weiterentwicklung ihrer Atomwaffen.

May sagte, sie werde sich bei ihren Verhandlungen über den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union für stärkere Kontrollen von Migranten bei der Einreise aus EU-Staaten ins Vereinigte Königreich einsetzen. Das sei die klare Botschaft der Briten bei ihrem Votum für den EU-Austritt ihres Landes.

Am Mittwoch hatte May in Berlin bereits die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) getroffen. Dabei hatte May bekräftigt, dass sie den Austritt nicht vor Ende des Jahres beantragen wolle. Merkel zeigte Verständnis, warnte aber zugleich vor einer "Hängepartie".

May hatte vergangene Woche die Regierungsgeschäfte in London übernommen, nachdem ihr Vorgänger David Cameron in der Folge der Brexit-Entscheidung zurückgetreten war. Bei dem Volksentscheid am 23. Juni hatten sich 52 Prozent der Teilnehmer für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ausgesprochen.

(Apa/Dpa/Ag.)

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