Weltpolitik

Horror-Berichte über Rohingya-Vertreibung aus Myanmar

Vor einem Außenministertreffen in Myanmar hat die Kinderrechtsorganisation "Save the Children" einen Bericht veröffentlicht, in dem muslimische Rohingya von grausamen Verbrechen bei ihrer Vertreibung berichten. Eine Frau habe gesehen, wie ein Soldat eine Schwangere mit Benzin übergossen und angezündet habe. Ein anderer Soldat habe einen Säugling seiner Mutter entrissen und ins Feuer geworfen.

Rohingya-Frauen besonders schutzlos SN/APA (AFP)/PHYO HEIN KYAW
Rohingya-Frauen besonders schutzlos

Am kommenden Dienstag werden laut Medienberichten aus der Region unter anderem die Außenminister Japans, Schwedens und Chinas zu einem Dialog-Forum in Myanmar erwartet. Den Angaben zufolge nimmt auch der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) an dem Treffen teil.

"Save the Children" forderte die Minister auf, Druck auf die Regierung von Myanmar auszuüben, um eine Untersuchung der Verbrechen zu erreichen. Außerdem müssten humanitäre Helfer ungehinderten Zugang erhalten. Gleichzeitig seien die Voraussetzungen für eine sichere freiwillige Rückkehr der Vertriebenen in das buddhistisch geprägte Land zu schaffen.

In den vergangenen Wochen hatten rund 610.000 Rohingya im Nachbarland Bangladesch Zuflucht gesucht. Eine so große Fluchtwelle innerhalb weniger Tage habe es seit dem Genozid in Ruanda 1994 nicht gegeben, stellte "Save the Children" fest. Die Organisation berichtete, einige Flüchtlinge, die Ersparnisse mitgebracht hätten, orientierten sich inzwischen "in Richtung Mittelmeer". Unter den Ärmsten gebe es Verzweifelte, die sich mit Selbstmordgedanken trügen, sollten sie gezwungen werden, nach Myanmar zurückzukehren.

Menschenrechtsexperten sehen in der Gewalt gegen die Rohingya in Myanmar einen "Völkermord". Es gebe "zunehmend Beweise" für diese Anschuldigung, erklärten die Menschenrechtsorganisation Fortify Rights und das Holocaust-Museum in Washington. Sicherheitskräfte haben demnach Opfern die Kehle durchgeschnitten oder sie lebendig verbrannt. Human Rights Watch berichtete zudem von Massenvergewaltigungen an zahllosen Frauen und Mädchen.

Die Autoren von Fortify Rights haben nach eigenen Angaben mit mehr als 200 Überlebenden, Augenzeugen und Entwicklungshelfern gesprochen, um die "weitverbreiteten und systematischen Angriffe" der Sicherheitskräfte auf die Rohingya von Oktober bis Dezember 2016 und ab Ende August 2017 zu dokumentieren. Ein 30-seitiger Bericht kommt nun zu dem Schluss, dass die Sicherheitskräfte des südostasiatischen Landes zumindest "Verbrechen gegen die Menschlichkeit und ethnische Säuberungen begangen haben".

Zu diesem Schluss kommt auch Human Rights Watch. Die Vergewaltigungen zahlloser Frauen und Mädchen durch Soldaten und andere Gräueltaten seien Verbrechen gegen die Menschlichkeit, heißt es in einem am Donnerstag vorgelegten Bericht der Menschenrechtsorganisation. Vergewaltigungen seien "ein wichtiges und verheerendes Instrument der ethnischen Säuberungen" gegen die Rohingya, erklärte der Autor Skye Wheeler. Unzählige Frauen und Mädchen seien "brutal verletzt und traumatisiert" worden.

28 der 29 interviewten Vergewaltigungsopfer gaben demnach an, von mindestens zwei Soldaten vergewaltigt worden zu sein. Acht Frauen oder Mädchen berichteten von Vergewaltigungen durch fünf oder mehr Soldaten. Zwei Frauen sagten, sie seien nach der Ermordung ihrer Kinder, Ehemänner oder Eltern vergewaltigt worden.

Quelle: Apa/Dpa

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