Weltpolitik

Hunderte slowenische Opfer aus Massengrab beerdigt

In Slowenien sind am Donnerstag hunderte Opfer von kommunistischen Nachkriegstötungen beigesetzt worden, die vor sieben Jahren in einem Bergwerk nahe der Stadt Lasko entdeckt worden waren. In der Gedenkstätte Dobrava bei Marburg wurde ein Sarg symbolisch für die bisher 800 exhumierten Opfer sowie weitere 2.500, die noch im Stollen vermutet werden, beerdigt.

Hunderte slowenische Opfer aus Massengrab beerdigt SN/APA (AFP/Archiv)/JURE MAKOVEC
Pahor: "Wir verändern die Zukunft".

Der slowenische Präsident Borut Pahor sprach in einer Trauerrede über "historische politische und moralische Fehler", die nie wiederholt werden dürfen, egal aus welcher politischen oder religiösen Überzeugung. Es sei die menschliche Pflicht, die Opfer von Nachkriegstötungen anständig zu begraben, sagte er. "Die Menschen können nun endlich begraben werden, nachdem sie nicht mehr leben durften."

"Wir verändern nicht die Vergangenheit, wir verändern die Zukunft. Das ist ein Schritt nach vorne", sagte der postkommunistische Politiker mit Blick auf die Vergangenheitsbewältigung in der nach dem Zweiten Weltkrieg immer noch gespaltenen slowenischen Gesellschaft. "Ich will glauben, dass das slowenische Volk immer mehr fühlt und versteht, dass die Versöhnung kein einmaliges Ereignis, sondern ein Geisteszustand ist."

An den Trauerfeierlichkeiten nahm die gesamte kroatische Staatsspitze teil - neben Staatspräsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic auch Regierungschef Andrej Plenkovic und Parlamentschef Bozo Petrov. Unter den Opfern sollen sich nämlich auch zahlreiche Kroaten befinden. Experten gehen davon aus, dass sie Ende Mai oder Anfang Juni 1945 ermordet wurden.

Die neuen kommunistischen Machthaber hatten nach dem Zweiten Weltkrieg Tausende tatsächliche oder vermeintliche Gegner umgebracht, weil sie mit dem Nazi-Regime kollaboriert oder dem mit diesem verbündeten faschistischen kroatischen Ustascha-Regime angehört hätten. Unter den Opfern sind nicht nur Soldaten, sondern auch Zivilisten. Die tatsächliche Herkunft ist schwer zu bestimmen, weil nur wenige persönliche Gegenstände gefunden wurden. DNA-Tests sollen aber die Identifizierung erleichtern.

Die sterblichen Überreste der 800 bereits geborgenen Opfer, die 2009 in dem Bergwerk gefunden wurden, wurden seit Anfang Oktober aus dem provisorischen Beinhaus vor Ort nach Dobrava überstellt und beerdigt. Am heutigen Donnerstag wurde das letzte Opfer zur Ruhe gelegt. Bis Ende nächsten Jahres sollen auch die restlichen Opfer ausgegraben und dort beigesetzt werden. Nach Einschätzungen befinden sich in dem Bergwerk noch 2.000 bis 2.500 Opfer.

Quelle: APA

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