Weltpolitik

Hunderttausende versammeln sich zu Rafsanjanis Beisetzung

Hunderttausende Menschen haben am Dienstag dem Ex-Präsidenten Akbar Hashemi Rafsanjani die letzte Ehre erwiesen. In Teheraner Innenstadt säumten sie auf der Revolutionsstraße den Weg zur letzten Ruhestätte des 82-Jährigen. Beigesetzt wurde Rafsanjani, der am Sonntag starb, neben Ayatollah Ruhollah Khomeini, dem Anführer der Islamischen Revolution von 1979 und Gründer des theokratischen Systems.

Hunderttausende erweisen Rafsanjani letzte Ehre.  SN/APA (AFP)/ATTA KENARE
Hunderttausende erweisen Rafsanjani letzte Ehre.

Sowohl Anhänger der von Rafsanjani vertretenen pragmatischen Politik einer wirtschaftlichen Liberalisierung und Annäherung an den Westen als auch deren Gegner erwiesen dem Verstorbenen die letzte Ehre. Das Oberhaupt des Iran, Ajatollah Ali Khamanei, leitete die Trauerzeremonie, zu der sich die Spitzen der Islamischen Republik auf dem Gelände der Universität Teheran versammelten.

Khamenei erklärte, politische Differenzen hätten niemals ganz seine fast 60 Jahre währende Freundschaft zu Rafsanjani brechen können. Augenzeugen berichteten von Demonstranten, die die Freilassung politischer Gefangener forderten. Andere wiederum skandierten "Tod für Amerika". Zu Zusammenstößen sei es nicht gekommen.

Zu Ehren des Verstorbenen wehten überall in der Hauptstadt schwarze Fahnen, Plakate zeigten Porträts des früheren Präsidenten. Trauergäste konnten öffentliche Verkehrsmittel zum Bestattungsort kostenlos benutzen.

Rafsanjani war von 1989 bis 1997 Staatspräsident und bis zu seinem Tode eine einflussreiche Persönlichkeit des Landes. Zuletzt stand er an der Spitze des Schlichtungsrates. Dieses Gremium soll bei Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Parlament und dem Wächterrat vermitteln, der die Konformität aller Gesetze und Regierungsbeschlüsse mit dem Islam überwacht.

Rafsanjanis Tod kommt zu einem heiklen politischen Zeitpunkt, finden doch im Mai Präsidentenwahlen statt. Konservative Kreise möchten eine weitere Amtszeit des reformorientierten Präsidenten Hassan Rouhani vereiteln, dessen politischer Ziehvater Rafsanjani war. Nachdem er bei der Präsidentenwahl im Jahr 2005 dem ultrakonservativen Hardliner Mahmoud Ahmadinejad unterlegen war, schlug sich Rafsanjani sukzessive an die Seite der Reformer. Die Wahl Rouhanis zum Präsidenten im Jahr 2013 galt auch als politisches Comeback Rafsanjanis.

Quelle: Apa/Ag.

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