Weltpolitik

Internationale Pressestimmen zum Anschlag in Berlin

Die Bluttat auf einem Berliner Weihnachtsmarkt war am Dienstag Inhalt zahlreicher internationaler Pressekommentare.

Bei einem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt kamen am Montagabend mindestens zwölf Menschen ums Leben. SN/APA/AFP/dpa/ARNO BURGI
Bei einem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt kamen am Montagabend mindestens zwölf Menschen ums Leben.

"Rzeczpospolita" (Warschau):

"Der Anschlag in Berlin wird die Bundestagswahlen im September 2017 beeinflussen. Angela Merkel bemüht sich um ihre vierte Wiederwahl. Ihre Flüchtlingspolitik wird von vielen Deutschen nicht unterstützt. In vielen Kreisen gilt sie gar als größte und sogar tödliche Sicherheitsbedrohung. Unter diesen Umständen kann die fremdenfeindliche Alternative für Deutschland (AfD) an Beliebtheit gewinnen. Chancen, die Wahlen zu gewinnen und eine Regierung zu bilden, hat sie nicht. Aber Deutschland wird nach Berlin nicht mehr dasselbe sein."

"Le Parisien" (Paris):

"Die Tragödie, die sich gestern in Berlin ereignet hat, ähnelt leider dem Albtraum, den alle Polizeibehörden in westlichen Ländern schon seit Jahren fürchteten. Schon seit langem haben islamistische Terroristen das Symbol des Weihnachtsmarktes im Visier, der die christliche Tradition und volkstümliches Feiern vereint. In Frankreich wurden tödliche Pläne vereitelt, die die Stadt Straßburg zum Ziel hatten. Nun hat es die deutsche Hauptstadt getroffen. Aber nicht ein einzelnes Land ist getroffen, sondern das Herz Europas."

"Neue Zürcher Zeitung":

"Das politische Klima für einen Ausbau der Sicherheitsvorkehrungen ist günstiger geworden, ohne dass Deutschland in Gefahr geriete, die Massstäbe des demokratischen Rechtsstaats zu verletzen. Das ist richtig so. Ob die Gewalttat von Berlin durch geschickte Polizeiarbeit hätte verhindert werden können, kann noch nicht beurteilt werden. Skepsis ist angezeigt, vor voreiligen Spekulationen und der Suche von Sündenböcken ist zu warnen."

"La Repubblica" (Rom):

"Erst vor zwei Wochen hat der Sprecher des IS es als Priorität bezeichnet, sich auf die Attentate zu konzentrieren, und den Westen gemahnt: 'Erinnert euch an diese Worte.' Und jetzt scheint die Bedrohung tödlich konkret zu werden. Innerhalb weniger Stunden gab es den Angriff auch auf Touristen in Jordanien, das Blutbad in Berlin, die Ermordung des russischen Botschafters in Ankara und eine Schießerei in Zürich, deren Hintergründe noch im Dunkeln liegen. Es ist schwierig auszumachen, ob die Angriffe unter gleicher Regie geführt wurden, aber wenigstens beim Massaker auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin scheint die Schablone klar, die die aggressive Vorgehensweise belegt: Es war dieselbe wie bei dem Blutbad in Nizza.

(...) Der größte Fehler, den wir heute begehen können, ist, auf die Brutalität weniger mit der Diskriminierung zahlreicher hoffnungsloser Asylsuchender zu antworten. Schon seit 15 Jahren wiederholen wir, dass dieser Krieg auch ein Krieg der Kulturen ist, in der lediglich die Verteidigung unserer Werte der Demokratie, des Respekts und der Solidarität eine Barriere gegen den Terror bauen kann."

"Republicain lorrain" (Metz):

"Keiner ist außerhalb unserer Reichweite. Die doppelte Botschaft, die gestern von den islamistischen Terroristen geschickt wurde, ist eine neue Warnung an die westlichen Länder - geschrieben in blutigen Buchstaben.

Niemand ist geschützt. Weder ein russischer Botschafter in Ankara, der wohl bestens geschützt war, noch die Unschuldigen, die im Kreis der Familie einen fröhlichen Augenblick auf dem Berliner Weihnachtsmarkt verbrachten. Wie kann man nicht an Charlie, an (die Pariser Konzerthalle) Bataclan und an Nizza denken, wenn man die Bilder aus der deutschen Hauptstadt sieht?"

Quelle: Apa/Dpa/Afp

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