Weltpolitik

Irakische Armee und Milizen rücken auf IS-Hochburg Mosul vor

Die irakische Armee und verbündete Milizen sind am Wochenende auf die vom radikalislamischen IS beherrschte Millionenstadt Mosul (Mossul) vorgerückt.

Irakische Armee und Milizen rücken auf IS-Hochburg Mosul vor SN/APA (AFP)/AHMAD AL-RUBAYE
Irakische Armee nahm mehrere Orte südlich von Mosul ein.

Mit Hilfe der von den USA geführten Koalition seien Soldaten von Süden und Südosten her vorgedrungen, teilten die Streitkräfte am Sonntag mit. Mehrere Orte seien eingenommen worden.

Am Samstag begannen die schiitischen Hashid-Shaabi-Milizen ihre Offensive und griffen Ziele im Westen Mosuls an. Sie unterstützen wie die kurdischen Peshmerga die Mitte Oktober begonnene Offensive, durch die Mosul zurückerobert werden soll. Sollte die zweitgrößte Stadt des Landes fallen, wäre das eine schwere Niederlage für den IS. Um Mosul könnte aber auch die größte Schlacht seit der US-geführten Invasion 2003 und dem Sturz des Machthabers Saddam Hussein entbrennen.

Nach Armeeangaben wurde das rund sieben Kilometer südöstlich von Mosul entfernte Dorf Ali Rash eingenommen. Dort wehe die irakische Flagge. Weiter im Süden hätten Sicherheitskräfte am Samstag die Stadt Al-Shura vom IS erobert. Nun zögen die Soldaten am Ufer des Tigris gen Mosul. Ihr nächstes Ziel sei Hammam al-Alil, das auf halber Strecke zwischen Al-Shura und Mosul liegt.

Die Kämpfer der Hashid Shaabi seien von Süden her Richtung Tal Afar vorgerückt, teilten die vom Iran unterstützten Milizen mit. Sie wollten Fluchtwege der IS-Kämpfer nach Syrien abschneiden. Tal Afar ist eine Hochburg des IS und liegt westlich von Mosul.

Armee, Peshmerga und schiitische Milizen wollen Mosul einkesseln und den IS niederringen, der die Metropole 2014 eroberte und dort sein Kalifat im Irak und in Syrien ausrief. In den vergangenen zwei Wochen machten die Einheiten im Süden, Osten und Nordosten Boden gut. Im Osten sind Peshmerga-Kämpfer und eine Eliteeinheit bereits bis auf wenige Kilometer an Mosul herangerückt. Sollten die Straßen im Westen abgeschnitten werden, wäre Mosul eingekreist und damit nicht nur der IS, sondern auch die Zivilbevölkerung. In irakischen und westlichen Militärkreisen hieß es, es sei darüber gestritten worden, ob auch der Westen Mosuls angegriffen werden solle oder nicht. Eine offene westliche Flanke wäre ein Rückzugsweg für den IS. Ein Häuserkampf bliebe den Bewohnern dann möglicherweise erspart.

Die Vereinten Nationen haben sich sehr besorgt geäußert, da in Mosul noch immer rund 1,5 Millionen Menschen leben. Die Vereinten Nationen befürchten große Not und eine Massenflucht. Zudem werfen sie den schiitischen Milizen Übergriffe auf Sunniten vor. So sollen sie mehr als 640 sunnitische Männer und Jugendliche aus der einstigen IS-Hochburg Falluja verschleppt haben. 50 seien erschossen oder zu Tode gefoltert worden.

Das Vorrücken der schiitischen Milizen dürfte auch in der Türkei Sorgen auslösen, denn Tal Afar liegt nahe der Grenze. Die Regierung in Ankara befürchtet, dass ihr Einsatz in der sunnitisch geprägten Region zu Kämpfen zwischen den Religionsgruppen führen könnte. Zudem leben in der Region Turkmenen, für die sich die Regierung in Ankara verantwortlich fühlt. Die Schiiten stellen die Mehrheit der Bevölkerung im Irak, doch im Norden und Westen leben überwiegend Sunniten.

Quelle: Apa/Ag.

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