Weltpolitik

Iran fordert weitere Anstrengungen der Europäer für Abkommen

Nach dem Ausstieg der USA aus dem internationalen Atomabkommen hat der Iran weitere Anstrengungen der Europäer zum Erhalt des Vertrags gefordert. Trotz Fortschritten sei Europa noch nicht bereit, den "Preis zu zahlen" und den USA die Stirn zu bieten, sagte Außenminister Mohammad Javad Zarif der iranischen Website Young Journalist Club am Sonntag.

Bisher ließen die Europäer lediglich Ankündigungen verlauten, so Zarif SN/APA (AFP/Archiv)/ATTA KENARE
Bisher ließen die Europäer lediglich Ankündigungen verlauten, so Zarif

Bisher hätten die Europäer lediglich Ankündigungen verlauten lassen. Der Iran könne jedoch erst nach "praktischen Maßnahmen" auf die Aussage der Europäer reagieren, das Atomabkommen beibehalten zu wollen, sagte Zarif. Jedes Land müsse einen Preis für seine Sicherheit bezahlen. "Wir müssen sehen, dass sie diesen Preis in den kommenden Monaten zahlen."

Die EU ist entschlossen, den Handel mit dem Iran fortzuführen und europäische Unternehmen vor den US-Sanktionen zu schützen. Dennoch zogen sich bereits zahlreiche europäische Konzerne aus dem Iran zurück, nachdem US-Präsident Donald Trump im Mai den Rückzug seines Landes aus dem Abkommen verkündet hatte.

Der Iran trotzte mit der Ankündigung neuer Waffensysteme den US-Sanktionen. Zuvor kündigte Verteidigungsminister Amir Hatami für die kommende Woche die Vorstellung eines neuen Kampfjets an. Dieser werde am Tag der Nationalen Verteidigungsindustrie - am Mittwoch - der Öffentlichkeit präsentiert, sagte er am Samstag der halbamtlichen Nachrichtenagentur Fars. "Unsere oberste Priorität ist die Entwicklung unserer Raketensysteme gewesen." Hier sei weitere Arbeit notwendig. US-Präsident Donald Trump hatte den Austritt seines Landes aus dem internationalen Atomwaffenabkommen auch damit begründet, dass der Vertrag nicht stark genug gegen das iranische Raketenprogramm vorgehe.

Die iranische Luftwaffe ist hauptsächlich auf russische Flugzeuge oder US-Modelle von vor der Islamischen Revolution 1979 beschränkt. Angesichts der internationalen Sanktionen hat der Iran aber auch eine eigene Rüstungsindustrie aufgebaut. Die Islamische Republik stellte 2013 einen neuen Kampfjet mit der Bezeichnung "Qaher 313" vor, der im Inland entwickelt worden sein soll.

Am Samstag kündigte die Marine an, erstmals das "Kamand"-Abwehrsystem aus eigener Produktion auf einem Kriegsschiff installiert zu haben. Ein zweites Mal werde bald folgen, sagte Konteradmiral Hossein Khansadi der Nachrichtenagentur Tasnim. Der Iran hat gedroht, die für Öltanker wichtige Straße von Hormuz zu blockieren.

In diesem Monat traten US-Sanktionen in Kraft, die sich unter anderem gegen den iranischen Automobilsektor, den Luftfahrtbereich und den Export von Metallen, Agrarprodukten und Teppichen richteten. Am 5. November sollen weitere US-Sanktionen folgen, die sich vor allem gegen den wichtigen Ölsektor richten.

Unterdessen kündigte Teheran an, am kommenden Mittwoch einen neuen Kampfflieger vorzustellen. Zudem werde das Raketenprogramm verstärkt. Verteidigungsminister Amir Hatami begründete dies laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Tasnim mit einer anhaltenden Bedrohung seines Landes durch Israel und die USA.

Zarif warf der US-Regierung vor, eine neu gegründete Aktionsgruppe im US-Außenministerium arbeite daran, seine Regierung zu stürzen. "Niemals wieder", schwor er am Sonntag auf Twitter unter Verweis auf den Sturz der iranischen Regierung 65 Jahre zuvor.

Quelle: Apa/Ag.

Aufgerufen am 17.10.2018 um 11:34 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/iran-fordert-weitere-anstrengungen-der-europaeer-fuer-abkommen-38978845

Kommentare

Schlagzeilen