Weltpolitik

Iranische Vizepräsidentin am Dienstag in Wien

Die iranische Vizepräsidentin Masoumeh Ebtekar besucht am Dienstag Österreich und trifft sich mit Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) sowie mit Umweltminister Andrä Rupprechter (ÖVP). Ebtekar ist die erste Frau in der Rolle der Vizepräsidentin der islamischen Republik und außerdem Umweltministerin des Landes. In Wien will sie vor allem über Kooperationen im Umweltbereich sprechen.

Iranische Vizepräsidentin am Dienstag in Wien SN/APA (AFP)/ATTA KENARE
Ebtekar trifft in Wien Kurz und Rupprechter.

Masoumeh Ebtekar wurde 1960 in Teheran geboren und verbrachte mit ihren Eltern sechs Jahre in den USA. Bekannt wurde sie unter dem Namen "Mary" als Sprecherin der Studenten, die 1979 die US-Botschaft in Teheran besetzten und 52 Geiseln in dem Gebäude festhielten. Ebtekar schloss ihr Studium der Immunologin mit dem Doktortitel ab und war anschließend als Wissenschafterin und Journalistin tätig.

1997 wurde Ebtekar unter dem reformorientierten Präsidenten Mohammad Khatami als erste Frau seit der iranischen Revolution Vizepräsidentin und Umweltministerin des Iran. Sie gehörte Khatamis Kabinett bis zum Ende seiner Amtszeit im Jahr 2005 an. Unter dem aktuellen Präsidenten Hassan Rohani wurde Ebtekar 2013 wieder Vizepräsidentin und Umweltministerin.

Dass ihr Umweltpolitik "sehr wichtig ist", betont die Mutter von zwei Kindern oft. So strich Ebtekar ihren Einsatz für die Umwelt nicht nur in einem APA-Gespräch nach ihrem Amtsantritt im Jahr 2013 hervor, sondern kürzlich auch in einem Interview mit dem "Kurier": "Es macht mir viel Freude, junge Leute zu motivieren, gerade im Bereich des Umweltschutzes."

Ebtekar, die zu den Reformern im Iran zählt, sagte in dem Gespräch auch, dass das Land "politische, wirtschaftliche und soziale Reformen" brauche. Deswegen müsse sich der Iran und seine Gesellschaft in jedem Bereich öffnen. Gleichzeitig sei es aber auch notwendig, dass er sein "nationales Erbe" und seine "kulturelle Identität" bewahre.

Die Beziehung zwischen Österreich und dem Iran findet Ebtekar nicht schlecht: "Es gibt schon gute Kooperationen, gerade im Umweltbereich." Dennoch wünsche sie sich auch einen Studentenaustausch zwischen den Ländern.

Ebtekar ist mehrfach mit österreichischen Politikern zusammengetroffen, etwa mit der damaligen Außenministerin Benita Ferrero-Waldner (ÖVP) bei deren Iran-Reise im Jahr 2001. Im Februar wurde Rupprechter von seiner iranischen Amtskollegin zur Eröffnung der Teheraner Umweltmesse "Iran Enviro 2016" eingeladen. Die Umweltminister einigten sich damals darauf, dass Österreich den Iran unter anderem in Sachen Natur- und Klimaschutz sowie die Bekämpfung der Luftverschmutzung mit heimischen Know-how unterstütze. Ziel des jetzigen Treffens ist die Unterzeichnung eines "Plan of Action", um die in Teheran beschlossenen Punkte zu verwirklichen.

Die irankritische Plattform "Stop the Bomb" missbilligte am Montag Ebtekars Besuch in einer Presseaussendung. "Die ÖVP setzt offenbar auf verstärkte Kollaboration und Geschäftemacherei mit dem iranischen Islamisten-Regime, das Terrororganisationen wie Hisbollah und Hamas finanziert und zur Zerstörung Israels aufruft", so Stephan Grigat, der wissenschaftlicher Direktor der Bewegung. Außerdem wirft Grigat der Vizepräsidentin vor, dass sie erst voriges Jahr die Parole "Tod Israel" verteidigt habe. Außerdem soll sie im Jahr 1979 bei der Geiselnahme in der US-Botschaft erklärt haben, dass sie bereit wäre, die Geiseln "eigenhändig zu erschießen".

Quelle: APA

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