Weltpolitik

"Irans Führer muss auf das Volk hören"

Mit dem iranischen Regime darf man nicht nur über Geschäfte reden. Es muss auch einen Dialog über die Menschenrechte geben. Das betont Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi in einem Exklusivinterview der "Salzburger Nachrichten".

"Irans Führer muss auf das Volk hören" SN/epa
Lauter Ruf nach mehr Freiheit: Auch viele Frauen unterstützten 2009 die „grüne Bewegung“ für einen politischen Wandel im Iran.

Wenn wir Frieden wollen, sagt Shirin Ebadi, geht das nur mit einem globalen Blick. Denn was in einer Ecke der Welt passiere, habe einen Effekt an anderer Stelle.

SN: Wie groß ist Ihre Hoffnung, dass sich die politischen Verhältnisse im Iran positiv verändern könnten - nach der Einigung im Atomstreit?
Shirin Ebadi: Der Grund für die Einigung im Atomstreit war, dass die Sanktionen eine große Last für den Iran bedeuteten. Ein Jahr nach dem Abschluss dieses Abkommens ist allerdings noch keine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage im Iran festzustellen. Immerhin ist die Inflationsrate heuer auf 15 Prozent gesunken; wir haben ja schon Inflationsraten von 35 Prozent im Jahr erlebt. Der Effekt davon ist jedoch noch nicht auf dem Esstisch der Menschen zu spüren. Vielleicht müssen wir noch länger warten, bis sich das Abkommen wirklich wirtschaftlich auswirkt. Was die Lage der Menschenrechte betrifft, ist keine Veränderung wahrnehmbar.
SN: Woran liegt das?
Der Grund dafür ist die Struktur der Verfassung im Iran. Entsprechend der Verfassung des Landes liegt letztlich alle Gewalt, alle Macht beim Revolutionsführer, beim obersten religiösen Führer. Der Führer des Irans - Ajatollah Ali Khamenei - hat immer wieder betont, dass sich die politische Richtlinie sowohl in der Außen- wie in der Innenpolitik nicht verändern wird.

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