Weltpolitik

IS greift Zivilisten bei Rückzug in Mosul an

Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) haben der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) zufolge Zivilisten in der IS-Hochburg Mosul getötet. Die Jihadisten attackierten Unbeteiligte demnach, weil sich diese nicht mit ihnen vor der vorrückenden irakischen Armee zurückziehen wollten.

Mosul ist seit Monaten wild umkämpft.  SN/APA (AFP)/MAHMOUD AL-SAMARRAI
Mosul ist seit Monaten wild umkämpft.

Mosul ist seit Oktober Schauplatz einer groß angelegten Offensive gegen den Islamischen Staat. Vom Osten her drangen irakische Spezialeinheiten schnell in die Stadt ein und befreiten viele Menschen von der Herrschaft der Jihadisten. Zuletzt stockte der Vormarsch allerdings.

HRW listet Angriffe auf Zivilisten mit Mörsern, Sprengsätzen und auch direkte Schüsse auf Unbeteiligte im Zeitraum von November bis Anfang Dezember auf. Die Organisation sprach eigenen Angaben zufolge mit 50 ehemaligen Bewohnern der Stadt, die aus Mosul geflohen sind.

31 von diesen hätten von wahllosen und direkten Angriffen des IS berichtet. Fünf Interviewte hätten auch von Luftangriffen auf die Extremisten berichtet, die Zivilisten getötet hätten. Bombardements in Mosul werden entweder von den irakischen Streitkräften oder von einer US-geführten internationalen Militärkoalition durchgeführt.

In der schwer umkämpften Stadt bahnt sich eine humanitäre Katastrophe an, wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International am Donnerstag in London mitteilte. Kinder erlitten grauenhafte Verletzungen und psychische Schäden. "Ich habe Kinder getroffen, die nicht nur schreckliche Wunden hatten", berichtete Donatella Rovera von Amnesty International nach ihrer Rückkehr aus dem Nordirak. Zahlreiche Kinder jeglichen Alters sind der Expertin zufolge traumatisiert, weil sie miterleben mussten, wie Verwandte von Autobomben und Minen in Stücke zerfetzt oder Nachbarn unter zerstörten Häuser begraben wurden.

Krankenhäuser und Lager sind nach Angaben der Organisation überfüllt. Die Bedingungen dort machten das Leid oft noch schlimmer. Nur ein Bruchteil der betroffenen Kinder erhalte die notwendige Hilfe. "Wenn es Ressourcen für den Krieg gibt, dann muss es auch Ressourcen für die Folgen des Krieges geben", betonte Rovera.

Quelle: Apa/Dpa

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