Weltpolitik

IS verübte im Irak Anschläge mit mehr als 30 Toten

Die Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat am Wochenende im Irak Angriffe mit mehr als 30 Toten verübt, darunter einen Doppelanschlag zweier Selbstmordattentäter auf einen belebten Markt im Zentrum von Bagdad mit mindestens 27 Toten und 53 Verletzten. Am Sonntag kamen durch ein Attentat auf einen Kontrollposten bei Kadissiyah sieben Tote und 15 Verletzte hinzu.

Der IS übernahm die Verantwortung für die Anschlagsserie. Die sunnitische Miliz wird seit Wochen im Norden des Landes von Regierungstruppen in ihrer letzten verbliebenen irakischen Hochburg Mosul in die Enge getrieben. IS-Anführer Abu Bakr al-Baghdadi (Bagdadi) ist nach Einschätzung des US-Verteidigungsministeriums noch am Leben. "Wir glauben, dass Baghdadi am Leben ist und weiterhin den IS anführt", sagte Pentagon-Sprecher Peter Cook.

Im Gegensatz zum IS, der offensiv an die Öffentlichkeit geht, hält sich al-Baghdadi sehr bedeckt. Im Juni 2014, kurz nach der Eroberung von Mosul durch den IS, hatte er dort in einem seiner seltenen öffentlichen Auftritte das "Kalifat" des IS in Teilen des Irak und Syriens ausgerufen. In dem bisher einzigen Video ist ein Mann mit schwarzgrauem Bart, schwarzem Mantel und schwarzem Turban zu sehen.

"Erneut haben Terroristen zugeschlagen und unschuldige Zivilisten getroffen", erklärte der UN-Sondergesandte für den Irak, Jan Kubis, nach dem Doppelanschlag von Bagdad. Die Selbstmordattentäter hätten ihren Anschlag ausgerechnet zu einem Zeitpunkt verübt, an dem die Bevölkerung sich "mit Friedenshoffnungen auf ein neues Jahr vorbereitete".

Das Doppelattentat wurde auf einen Markt im Stadtviertel al-Sinek verübt. Viele der Opfer seien Markthändler gewesen, sagte der Ladeninhaber Ibrahim Mohammed Ali. Sie waren demnach gerade aus den umliegenden Ersatzteilgeschäften gekommen, um sich bei einem Verkäufer mit einem Handkarren ihr Frühstück zu kaufen, als die Attentäter ihre Sprengsätze zündeten. Im IS-Sprachrohr Amaq war anschließend von einem "Märtyrer-Einsatz" im Stadtviertel al-Sinek die Rede.

Die sunnitisch geprägte Jihadistenmiliz hat nach ihrer Offensive im Sommer 2014 im Irak inzwischen wieder deutlich an Boden verloren. Mitte Oktober begann die Gegenoffensive der irakischen Armee und verbündeter Kampfeinheiten zur Rückeroberung Mossuls. Sie kam allerdings langsamer als angenommen voran. Ministerpräsident Haider al-Abadi, der die Einnahme Mosuls ursprünglich bis zum Jahresende in Aussicht gestellt hatte, sagte in der vergangenen Woche, dies werde noch drei Monate in Anspruch nehmen.

Der Anschlag am Sonntag wurde in Kadissiyah, 70 Kilometer südlich der heiligen schiitischen Stadt Najaf, verübt. Unter den sieben Toten waren fünf Polizisten. Die drei Attentäter, die nach Angaben des Innenministeriums Sprengstoffgürtel trugen, wurden demnach von den Polizisten erschossen. Sie hätten nach Najaf gelangen wollen, erklärte ein Ministeriumssprecher. Der IS gab eine Bekennerbotschaft heraus.

(Apa/Dpa/Ag.)

Aufgerufen am 13.12.2017 um 03:54 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/is-veruebte-im-irak-anschlaege-mit-mehr-als-30-toten-566002

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