Weltpolitik

Israel soll Erdgas nach Europa liefern

Die geplante Gasfernleitung Eastmed ist ein gewaltiges Wirtschafts- und Energieprojekt. Ob sie wirtschaftlich wäre, ist umstritten. Aber massive geopolitische Interessen bringen auch die USA ins Strategie-Spiel.

Die Pipeline soll 2100 Kilometer lang sein und Erdgas von Israel nach Europa liefern. SN/APA (dpa)/Stefan Sauer
Die Pipeline soll 2100 Kilometer lang sein und Erdgas von Israel nach Europa liefern.

Das Megaprojekt interessiert auch die USA: Über eine 2100 Kilometer lange Pipeline will Israel von 2025 an Erdgas nach Europa liefern. Am Mittwochabend wollte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu mit seinem griechischen Amtskollegen Alexis Tsipras und dem zyprischen Präsidenten Nikos Anastasiadis in Jerusalem das Projekt besprechen; auch US-Außenminister Mike Pompeo sollte dabei sein.

Pompeos Kommen zeigt, dass das riesige, voraussichtlich sechs Milliarden Euro teure Vorhaben weitaus mehr ist als nur ein anspruchsvolles Wirtschaftsprojekt. Es ist auch, wie die Beteiligten immer wieder betonen, eine Allianz der "drei demokratischen Staaten am östlichen Mittelmeer". Soll heißen: des einzig möglichen Verbunds in einer Region voller gefährlicher Konflikte. Wobei Zypern immer noch geteilt ist und Nordzypern türkisch beherrscht wird, was Konflikte um die zyprische Wirtschaftszone im Mittelmeer birgt.

Die strategische Achse Israel-Griechenland-Zypern existiert erst seit einigen Jahren - seit Israels Verhältnis zur Türkei von Recep Tayyip Erdogan sich deutlich verschlechtert hat. Oded Eran vom Institut für nationale Sicherheitsstudien (INSS) in Tel Aviv nennt zwei Hauptgründe für die neuen engen Beziehungen: "Der eine ist die Notwendigkeit, sich der türkischen Aggression in der Region entgegenzustellen, und der andere sind die Perspektiven für eine wirtschaftliche Kooperation, in deren Zentrum die Gas-Pipeline Eastmed steht."

Sie soll in bis zu 3000 Metern Tiefe auf dem Grund des Mittelmeeres verlaufen und Erdgas aus den reichen Vorkommen im Meer vor Israel nach Zypern und von dort nach Kreta und über das griechische Festland nach Italien bringen.

Kritiker bezweifeln jedoch, dass das Vorhaben überhaupt sinnvoll ist. "Es ist ein extrem teures Projekt, wenig aussichtsreich, ja unrealistisch aufgrund der schwierigen geopolitischen Gemengelage, der hohen Kosten und der enormen technischen Herausforderungen", sagt Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

"Wenn man die Klimaziele ernst nimmt und die Emissionen in den kommenden Jahrzehnten drastisch sinken, muss man sich von allen fossilen Energien, auch von Gas, verabschieden. Eine derartige Pipeline rechnet sich nur, wenn sie über viele Jahrzehnte voll ausgelastet sein wird", sagt die Energieökonomin. Deulich wirtschaftlicher wäre es zudem, das Gas als Flüssiggas in Tankern weltweit zu verschiffen.

Aber es geht auch und vor allem um die strategische Allianz in der Krisenregion des östlichen Mittelmeers. Denn zusätzlich zu den zahlreichen Konflikten der Anrainerstaaten entwickelt sich derzeit ein weiterer potenzieller Brandherd. Im Februar wurden südlich von Zypern reiche Erdgasvorkommen entdeckt - der wohl größte Fund weltweit der vergangenen Jahre. Vermutet werden Vorkommen von bis zu 227 Mrd. Kubikmeter. Darauf erhebt auch die Türkei Anspruch.

Immer wieder droht Präsident Recep Tayyip Erdogan, dass es eine Ausnutzung des neu entdeckten Vorkommens ohne die Türkei nicht geben werde; er spricht von "Seeräubern, die Erdgas vor Zypern abzapfen".

Quelle: SN, Dpa

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