Weltpolitik

Israel will Aufschub für Räumung der "wilden" Siedlung Amona

Der Streit um die "wilde" israelische Siedlung Amona im palästinensischen Westjordanland spitzt sich kurz vor Ende der Räumungsfrist am Sonntag erneut zu. Die israelische Menschenrechtsorganisation Yesh Din ("Es gibt Recht") will verhindern, dass ein Teil der Bewohner auf eine nahe gelegene Fläche umzieht.

Amona sollte bis 25. Dezember geräumt werden.  SN/APA (AFP)/JACK GUEZ
Amona sollte bis 25. Dezember geräumt werden.

Man habe Widerspruch bei der zuständigen Behörde eingelegt, sagte der Sprecher Gilad Grossman am Mittwoch. Parallel hat Israel laut Medienberichten beim Höchsten Gericht eine Fristverlängerung um 45 Tage beantragt.

Israels Höchstes Gericht hatte angeordnet, der Ort mit seinen rund 280 Einwohnern müsse bis zum 25. Dezember geräumt werden. Die nicht genehmigte Siedlung Amona liegt auf palästinensischem Privatland. Die Regierung versucht aktuell, alternative Standorte zu finden.

Israel bezeichnet die neu ausgewählte Fläche als "herrenlos". Yesh Din verweist dagegen auf palästinensische Eigentümer. Zudem wolle man Widerspruch gegen die Fristverlängerung einlegen, sagte der Sprecher.

In einigen israelischen Siedlungen im palästinensischen Westjordanland leben viele strenggläubige Juden. Israel unterscheidet zwischen rund 120 Siedlungen im Westjordanland, die mit Genehmigung der Regierung errichtet wurden, und rund 100 "wilden Siedlungen", die weitgehend geduldet werden. Die internationale Gemeinschaft sieht alle Siedlungen als illegal an.

Die 40 Familien von Amona hatten am Sonntag das Angebot der Regierung angenommen, unter anderem auf nahe gelegene Grundstücke umzuziehen. Die Regierung befürchtet bei einer Räumung gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Siedlern und ihren Unterstützern sowie Sicherheitskräften. Laut Medienberichten ist Israel bereit, Millionen in die Umsiedlung zu investieren. Dazu gehörten auch bis zu rund 50.000 Euro pro Familie als Entschädigung für den Umzug.

Quelle: Apa/Dpa

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