Weltpolitik

Israels Ex-Präsident Shimon Peres gestorben - weltweite Trauer

Nach dem Tod des israelischen Ex-Präsidenten Shimon Peres herrscht am Mittwoch weltweit Trauer. Der 93-jährige ist zwei Wochen nach einem schweren Schlaganfall in der Nacht auf Mittwoch in einem Krankenhaus nahe Tel Aviv gestorben. Zum Begräbnis des Friedensnobelpreisträgers von 1994 werden zahlreiche Staats- und Regierungschefs erwartet.

"Sein wichtigstes Anliegen war es immer, dem jüdischen Volk zu dienen", sagte sein Sohn Khemi Peres, als er in den Morgenstunden im Sheba-Krankenhaus den Tod seines Vaters bekannt gab. Dies habe Peres bis zu seinem letzten Tag getan.

Israels Premier Benjamin Netanyahu zeigte sich bei einer Trauersitzung im Parlament in Jerusalem tief getroffen vom Tod des früheren Staatsoberhauptes. "Er war durchdrungen von dem Bestreben, einen Frieden herbeizuführen", erklärte Netanyahu, der wegen seiner Hardliner-Positionen im Nahost-Konflikt oft im politischen Gegensatz zu Peres stand. "Wir hatten auch unsere Meinungsverschiedenheiten, aber ich habe ihn immer respektiert", fügte der nationalkonservative Politiker hinzu.

Auch Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas trauerte am Mittwoch um Peres. Dieser sei gemeinsam mit dem verstorbenen früheren Chef der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Yasser Arafat, "ein Partner im Friedensschluss der Mutigen" gewesen. Die radikal-islamische Hamas zeigte sich hingegen "sehr glücklich" über den Tod des früheren israelischen Präsidenten. Peres habe Kriegsverbrechen gegen die Palästinenser begangen und deren Blut vergossen, sagte der Sprecher der Hamas im Gazastreifen, Sami Abu Suhri. Er hoffe nun auf eine "neue Phase der Schwäche" Israels.

Israels Präsident Reuven Rivlin unterbrach wegen Peres' Tod einen Besuch in der Ukraine. Rivlin habe seinen ukrainischen Kollegen Petro Poroschenko über seine Abreise informiert, erklärte der ukrainische Präsidentensprecher.

Unmittelbar nach der Trauersitzung begannen in der israelischen Hauptstadt die Vorbereitungen für Peres' Beisetzung am Freitag auf dem Herzl-Berg, wo zahlreiche große Persönlichkeiten Israels begraben liegen, darunter Staatspräsidenten und Regierungschefs. Bereits am Donnerstag wird Peres' Sarg vor der Knesset, dem israelischen Parlament, aufgebahrt.

Zum Staatsbegräbnis werden Gäste aus der ganzen Welt erwartet. Neben US-Präsident Barack Obama haben bereits der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck, die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, Königinmutter Beatrix der Niederlande, der britische Thronfolger Prinz Charles sowie Ex-US-Präsident Bill und US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton ihr Kommen zugesagt. Papst Franziskus wird entgegen ersten Informationen nun doch nicht teilnehmen. Österreich wird von Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ) in ihrer Funktion als Vorsitzende des Präsidentschafts-Kollegiums sowie von Alt-Bundespräsident Heinz Fischer vertreten. Auch Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) wird an der Beisetzung teilnehmen.

Unklar ist laut Medienberichten noch, ob der russische Präsident Wladimir Putin kommt oder sich vertreten lässt. Aus der arabischen Welt wird Jordaniens König Abdullah II. erwartet, möglicherweise auch Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi. Möglicherweise wird auch der palästinensische Präsident Abbas dem verstorbenen Peres die letzte Ehre erweisen.

Peres wurde 1923 als Sohn eines Holzhändlers im damaligen Ostpolen geboren und wanderte 1934 nach Palästina ein. Er wurde auch als Vater des israelischen Atomprogramms bekannt. Peres war zweimal Israels Regierungschef und mehrmals Minister gewesen. Den Friedensnobelpreis hatte er 1994 als Außenminister gemeinsam mit dem damaligen Ministerpräsidenten Itzhak Rabin und PLO-Chef Arafat erhalten. Von 2007 bis 2014 war er Staatspräsident.

Wohl durch sein beharrliches Streben nach Frieden war er einer der beliebtesten israelischen Politiker im Ausland. Peres äußerte sich auch als Staatspräsident immer wieder sehr politisch - ungewöhnlich für dieses Amt. Trotz seines hohen Alters setzte er sich bis zuletzt unvermindert für eine Verständigung von Israelis und Arabern ein, unter anderem mit seinem Peres Center for Peace in Tel Aviv. Er hatte nie die Hoffnung auf eine friedliche Lösung des Nahost-Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern aufgegeben.

Dieses Engagement würdigen am Mittwoch auch führende Politiker weltweit. "Ein Licht ist ausgegangen, aber die Hoffnung, die er uns gegeben hat, wird für immer brennen", sagte etwa US-Präsident Barack Obama in Washington. Auch von Russlands Präsident Putin kamen anerkennende Worte. "Jedes Mal begeisterte mich sein Mut und Patriotismus, seine Weisheit und Voraussicht - und die Fähigkeit, in das Wesen der kompliziertesten Fragen einzudringen", erklärte er.

UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon meinte: "Ich habe Shimon Peres oft getroffen und immer von seinen Einschätzungen profitiert". "Auch in der dunkelsten Stunde blieb er optimistisch für die Aussichten auf Versöhnung und Frieden."

In Österreich zeigte sich Alt-Bundespräsident Fischer, der seit ihrer gemeinsamen Zeit in der Sozialistischen Internationalen ein besonders enges Verhältnis zu Peres hatte, "zutiefst betroffen und traurig". Peres sei "ein großer Staatsmann und für mich jahrzehntelang ein wirklich guter und treuer Freund gewesen", so Fischer. Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) erklärte auf Facebook, Peres habe "gezeigt, dass kein Graben zwischen Völkern unüberwindbar ist. Aus Feinden können Partner werden, wenn sie aufeinander zugehen und bereit sind zum Dialog (...) Das können wir von ihm lernen."

Quelle: Apa/Ag.

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