Weltpolitik

Italien: Premiere Conte solidarisch mit Rassismus-Opfer Daisy Osakue

Der italienische Premier Giuseppe Conte hat während seines Besuchs in Washington bei US-Präsidenten Donald Trump mit der farbigen Diskuswerferin Daisy Osakue telefoniert, die in der Nacht auf Montag in Moncalieri bei Turin zum Opfer einer rassistischen Attacke gefallen ist. Die in Italien geborene Athletin nigerianischer Herkunft war von Unbekannten mit Eiern beworfen und verletzt worden.

"Ich habe Daisy Osakue meine Solidarität und jene unserer Regierung ausgedrückt. Sie ist Opfer einer verwerflichen Geste. Ich habe ihr gewünscht, dass sie sobald wie möglich ihre sportliche Tätigkeit wieder aufnehmen kann", berichtete Conte nach Medienangaben.

Die 23-jährige Diskuswerferin, deren Eltern seit 24 Jahren in Italien leben, wurde aus einem vorbeifahrenden Auto mit Eiern beworfen. Sie wurde an einem Auge verletzt und musste im Krankenhaus behandelt werden. Die in Turin geborene Osakue erklärte, sie müsse keiner Augenoperation unterzogen werden und hoffe, problemlos an der Leichtathletik-Europameisterschaft in Berlin teilnehmen zu können.

"Man wollte nicht mich, sondern einfach jemand mit dunkler Hautfarbe angreifen", meinte die Sportlerin. Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Auch einige Italiener waren in Moncalieri zuletzt von einem vorbeifahrenden Auto mit Eiern beworfen worden.

Derzeit wird in Italien diskutiert, ob rassistische Vorfälle seit dem Amtsbeginn der Regierung aus der rechten Lega und der Fünf-Sterne-Partei zugenommen haben. Sozialdemokraten-Chef Maurizio Martina rief zu einer Solidaritätskundgebung mit der Athletin und gegen jede Form von Rassismus auf. "Überall in Italien mehren sich rassistische Vorfälle, doch Innenminister Matteo Salvini leugnet das", kommentierte Martina.

Ex-Premier Silvio Berlusconi bestritt, dass Italien ein rassistisches Land sei."Rassismus ist unserer Kultur fremd. Fälle wie jene in Moncalieri sind zu verurteilen. Ich hoffe, dass die Täter sobald wie möglich identifiziert werden. Daisy Osakue drücke ich meine volle Solidarität aus", so Berlusconi.

Die italienische Bischofskonferenz CEI warnte die Politik davor, Angst vor Ausländern zu nähren. "Rassismus ist eine Krankheit. Sie taucht wie ein Virus auf und hat Einwanderer, Roma, Juden als Ziel", kommentierte Kardinal Gualtiero Bassetti, Präsident des italienischen Episkopats.

Italiens und Innenminister Salvini bezeichnete die Warnungen vor einem zunehmenden Rassismus als übertrieben. Wirklich alarmierend seien hingegen die Straftaten, die Migranten in Italien begingen. Der Lega-Chef hat seit seinem Amtsantritt einen harten Anti-Migrations-Kurs eingeschlagen.

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