Weltpolitik

Ivanka Trump und der Staubsauger

Eine Kunstinstallation, die ein Double der Präsidententochter beim Staubsaugen zeigt, bringt Ivanka Trump auf. Die Künstlerin lädt sie zu einer privaten Aufführung ein.

Es ist ein Spektakel. Es macht Spaß. Und wer einmal die Brotkrumen auf den pinken Plüschteppich geworfen hat, die dann von einer blonden Frau in Stilettos mit immer gleichem Lächeln weggesaugt werden, möchte mehr davon. Genau das hat die Künstlerin Jennifer Rubell vorausgesagt, die mit ihrer Installation "Ivanka saugt" in der "Flashpoint"-Galerie für Furore sorgt.

Die Live-Aufführung in der 916 G-Street ist ohne Frage das "heißeste Ticket" der amerikanischen Hauptstadt. Und seit die Präsidententochter sich in den sozialen Medien lautstark über die Installation beschwert hat, wollen sie noch mehr Menschen sehen. Kostenlos, jeden Tag zwischen 18 und 20 Uhr, oder via Livestream im Internet.

Die ambitionierte Sammlerin moderner Kunst zeigt wenig Verständnis, selber Gegenstand einer künstlerischen Auseinandersetzung mit dem weiblichen Rollenbild im Amerika ihres Vaters zu sein. "Frauen können sich dafür entscheiden, einander herunterzureißen oder einander aufzubauen", twittert Ivanka pikiert über die Installation. "Ich entscheide mich für Letzteres."

Die Künstlerin reagierte souverän. Sie lud Ivanka Trump ein, sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen; privat und "ohne den ganzen Medienzirkus, der entstanden ist." Sie wünschte sich "von ihr eine eigene direkte Reaktion" zu einem Werk, das "komplizierte Themen erkundet, die uns alle bewegen."

Tatsächlich weist die Installation mehrere Interpretationseben auf. Es geht, wie Rubell hervorhebt, aus Sicht der Betrachter um "Macht" und "Kontrolle". Darüber hinaus stellt sie ein bestimmtes Frauenbild zur Diskussion. Rubell lädt aber auch zu direkten Vergleichen ein. Dabei steht die Rolle Ivankas im Zentrum, die unter der Maske der perfekten Tochter hinter ihrem Vater sauber macht.

Letzteres dürfte die 37-jährige Präsidententochter ganz besonders provoziert haben. Indem sie sich darüber empört, macht sie sich nun selber zum Teil der Installation. Demontiert Ivanka dabei doch ihr sorgfältig kultiviertes Image als aufgeschlossene Kunstsammlerin, die regelmäßig auf Instagram Bilder von sich und ihren erworbenen Exponaten präsentiert.

Sie kokettiert damit, eine große Anhängerin von Christopher Wool und Cy Twombly zu sein oder posiert vor Werken von Alex Israel und Alex Da Corte. Weil viele sich nicht als Staffage für ein aus ihrer Sicht pseudo-progressives Image der Trump-Tochter hergeben wollen, startete eine Gruppe von Künstlern die "Dear Ivanka"-Kampagne. Da Corte forderte die Präsidententochter auf, seine Arbeit von ihren Wänden zu nehmen. "Ich schäme mich, mit ihnen gesehen zu werden."

Die Installation "Ivanka saugt" fügt dem eine neue Facette hinzu. "Wir wissen, dass sie weiter saugen wird, egal ob wir die Brotkrumen werfen oder nicht", ordnete Rubell die erwartete Kontroverse bereits vorab ein. "Deshalb ist es wirklich nicht unsere Schuld, oder?"

Quelle: SN

Aufgerufen am 30.10.2020 um 03:16 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/ivanka-trump-und-der-staubsauger-65368501

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