Weltpolitik

Japan, China und Südkorea wollen wegen Nordkorea kooperieren

Japan, China und Südkorea wollen bei der Lösung des Atomkonflikts mit Nordkorea eng kooperieren. Darauf verständigten sich Chinas Premier Li Keqiang, Südkoreas Präsident Moon Jae-in und Japans Regierungschef Shinzo Abe am Mittwoch bei einem gemeinsamen Treffen in Tokio.

Das Problem Nordkorea eint China, Japan und Südkorea SN/APA (AFP)/EUGENE HOSHIKO
Das Problem Nordkorea eint China, Japan und Südkorea

Sie bekräftigten dabei die Notwendigkeit einer Denuklearisierung Nordkoreas, erklärte Moon im Anschluss bei einem gemeinsamen Auftritt vor der Presse. Er und seine beiden Kollegen stimmten zudem darin überein, dass zur Lösung der Probleme mit Nordkorea die Resolutionen der UNO umgesetzt werden, erklärte Abe.

China und Südkorea machten sich für Hilfszusagen an Nordkorea bei einer vollständigen atomaren Abrüstung stark. Moon und Li plädierten für eine wirtschaftliche Unterstützung Nordkoreas durch die internationale Gemeinschaft, eingeschlossen der USA, wie ein Sprecher des südkoreanischen Präsidialamts mitteilte. Die beiden Länder wollen zudem Eisenbahnprojekte ausloten, um China und Südkorea mit einer Strecke durch Nordkorea zu verbinden.

Der eintägige Gipfel in Tokio erfolgte vor einem geplanten Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un. US-Außenminister Mike Pompeo will hierfür in Nordkorea den Rahmen schaffen. Er werde mit "höchsten Vertretern" sprechen, sagte Pompeo auf dem Flug nach Nordkorea. Ob er auch Kim Jong-un persönlich treffen werde, konnte Pompeo nicht sagen.

Pompeo betonte, die USA wollten Fehler der Vergangenheit im Atomstreit mit Nordkorea nicht wiederholen. Deshalb würden Sanktionen gegen das Land erst gelockert, wenn das Ziel der Denuklearisierung erreicht sei. Die Definition dieses Begriffes, der aus US-Sicht den völligen und baldigen Verzicht auf Atomwaffen bedeutet, ist einer der Knackpunkte. Nordkorea sieht einen Abbau seiner Atomwaffen nur im Rahmen eines langfristigen Prozesses, der auch seine Sicherheitsinteressen berücksichtigt. Kim hatte bei einem Gipfeltreffen mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Ende April zugesagt, zusammen mit Südkorea eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel durch die "komplette Denuklearisierung" erreichen zu wollen. Wie und wann das Ziel konkret erreicht werden soll, blieb unklar.

In Pjöngjang angekommen, zeigte sich der US-Außenminister zuversichtlich über den Verlauf des geplanten Gipfeltreffens Trump-Kim. Nordkorea sei ein guter Partner bei den Bemühungen, den Gipfel zu einem Erfolg zu führen. Die USA seien entschlossen, mit Nordkorea zusammenzuarbeiten, um Frieden auf der koreanischen Halbinsel zu erreichen. Es ist der zweite Besuch Pompeos in Pjöngjang. Kim hatte bei einem historischen Gipfeltreffen mit Südkoreas Präsident Moon vor kurzem seinen Willen zu einem vollständigen Abbau seines Atomwaffenprogramms bekräftigt.

Japan, China und Südkorea müssten in Zusammenarbeit mit der internationalen Gemeinschaft Nordkorea energisch drängen, "konkrete Schritte" zu unternehmen, sagte Abe. Li erklärte, China werde alles tun, um eine Denuklearisierung Nordkoreas zu ermöglichen. Er begrüßte den diplomatischen Weg, den Washington und Pjöngjang jetzt verfolgen.

Es war das erste Mal seit rund zweieinhalb Jahren, dass die Spitzen Japans, Südkoreas und Chinas wieder zu ihrem eigentlich jährlich vorgesehenen Dreier-Treffen zusammenkamen. Seit Jahren sind die Beziehungen wegen der rechtskonservativen Politik von Abe und dessen Umgang mit der japanischen Kriegsvergangenheit angespannt. Das Ringen um eine diplomatische Lösung im Atomkonflikt mit Nordkorea bringt die drei Nachbarstaaten jedoch wieder näher. Nach ihrem Dreier-Treffen kamen Li, Moon und Abe noch zu bilateralen Gesprächen zusammen.

So war es das erste Mal seit sechs Jahren, dass mit Moon wieder ein südkoreanischer Präsident Tokio besuchte. Mit Li Keqiang kam außerdem erstmals seit acht Jahren wieder ein chinesischer Premier nach Japan. Er wolle die trilaterale Kooperation weiter entwickeln, um den "Frieden und Stabilität in der Region" zu bewahren und zum Frieden und Wohlstand in der Welt beizutragen, sagte Li.

In Bezug auf die Wirtschaft sei man sich in der Notwendigkeit eines freien Handels einig, sagte Li. Japan, Südkorea und China machen zusammen mehr als 20 Prozent der Weltwirtschaft aus. Japan und China hatten kürzlich nach fast acht Jahren Pause ihren Wirtschaftsdialog wieder aufgenommen. Auch dies gilt als ein Zeichen für eine Verbesserung der Beziehungen beider asiatischer Nachbarstaaten. Li bleibt noch bis zum Freitag und wird während seines Besuchs von Japans Kaiser empfangen. Zudem trifft Li Vertreter des Parlaments.

Quelle: Apa/Dpa

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