Weltpolitik

Japanischer Regierungschef Abe besucht Pearl Harbor

Der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe besucht 75 Jahre nach dem Angriff seines Landes auf die US-Pazifikflotte in Pearl Harbor (Hawaii) den historischen Ort. Gemeinsam mit US-Präsident Barack Obama will der Regierungschef am Dienstag der Opfer gedenken.

Das USS Arizona Memorial mit der USS Missouri im Hintergrund in Honolulu, Hawaii. SN/AP
Das USS Arizona Memorial mit der USS Missouri im Hintergrund in Honolulu, Hawaii.

Am 7. Dezember 1941 hatten japanische Kampfbomber die Hawaii-Insel Oahu ohne Kriegserklärung angegriffen und der US-Kriegsmarine einen schweren Schlag versetzt. Als Folge traten die USA in den Zweiten Krieg ein. Der Angriff war damit auch der Anfang vom Ende des japanischen Imperialismus'.

Dass Abe nach Pearl Harbor reisen würde, war erwartet worden, nachdem Obama Ende Mai als erster amtierender US-Präsident Hiroshima besucht hatte. Die japanische Stadt war 1945 durch eine Atombombe der Amerikaner weitgehend zerstört worden. Abe begleitete Obama. Es wird nicht erwartet, dass sich Abe für den Angriff auf Pearl Harbor entschuldigen wird. Auch Obama sprach keine Entschuldigung zu Hiroshima aus.

Die beiden wollten nach Ansicht von Beobachtern zeigen, dass die japanisch-amerikanische Wiederaussöhnung in der Nachkriegszeit erfolgreich war. Beide Staaten sind heute enge Sicherheitspartner.

Im Vorfeld des Besuches von Abe hatte es in Tokio einige Verwirrung gegeben. Zunächst hatten japanische Medien einen Vertreter des Außenministeriums in Tokio mit den Worten zitiert, Abe sei der erste japanische Regierungschef, der Pearl Harbor aufsuche. Doch das stimmte nicht. Wie ein Regierungssprecher später bestätigte, hatten vor Abe bereits drei andere Ministerpräsidenten den Ort aufgesucht.

So hatte bereits 1951 der damalige japanische Regierungschef Shigeru Yoshida Pearl Harbor einen Besuch abgestattet. 1956 folgte sein Nachfolger Ichiro Hatoyama und ein Jahr später Nobusuke Kishi, wie es hieß. Letzter ist der Großvater von Abe. Dieser hatte im Kriegskabinett von Hideki Tojo gedient, der als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt wurde. Auch Kishi war verdächtigt worden, wurde aber nie angeklagt.

Kishis Enkel Abe sei zwar nicht der erste japanische Premier in Pearl Harbor, dennoch sei sein Besuch von großer Bedeutung, sagte dessen Regierungssprecher Yoshihide Suga. Abe sei der erste amtierende Ministerpräsident seines Landes, der der Opfer des Angriffs am USS Arizona Memorial gedenkt, das bei dem gesunkenen Kriegsschiff liegt. Zudem sei Abe der erste Premier, der der Opfer des japanischen Angriffs gemeinsam mit einem US-Präsidenten gedenkt, sagte Suga.

In den frühen Morgenstunden des 7. Dezember 1941 verwandelten rund 360 japanische Kampfbomber Oahu ohne vorherige Kriegserklärung in ein Inferno. Im US-Flottenstützpunkt Pearl Harbor lagen fast 100 Schiffe vor Anker, darunter acht große Schlachtschiffe. Bei dem rund zweistündigen Angriff der japanischen Luftwaffe, die von Flugzeugträgern nördlich von Hawaii in zwei Wellen gestartet war, wurden 21 Schiffe der US-Pazifikflotte versenkt oder beschädigt. Die Japaner zerstörten außerdem 188 Flugzeuge. 2.400 US-Amerikaner starben. Allein bei der Explosion des Schlachtschiffes USS Arizona verloren mehr als 1.000 Soldaten an Bord ihr Leben. Die Verluste auf japanischer Seite waren vergleichsweise gering.

Der Angriff auf Pearl Harbor gilt als eine der größten militärischen Niederlagen der USA. Die Amerikaner waren darauf nicht vorbereitet, weil sie Attacken auf ihre Stützpunkte auf den Philippinen für wahrscheinlicher gehalten hatten. Die Katastrophe gilt auch als ein entscheidendes Ereignis des Zweiten Weltkriegs. Schon am Tag nach der japanischen Attacke entschied US-Präsident Franklin D. Roosevelt endgültig, in den Zweiten Weltkrieg einzutreten, was in der Öffentlichkeit zuvor lange umstritten war.

Quelle: Apa/Dpa

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