Weltpolitik

Jerusalem-Angreifer an Verletzungen gestorben

Der palästinensische Angreifer, der nach einem Anschlag in Jerusalem auf der Flucht von der Polizei angeschossen wurde, ist gestorben.

Jerusalem-Angreifer an Verletzungen gestorben SN/APA (epa)/ABIR SULTAN
Der Angreifer und eines seiner Opfer sind tot.

Der 21-Jährige sei am frühen Donnerstagmorgen seinen Verletzungen erlegen, teilte das behandelnde Krankenhaus in Jerusalem mit. Er war am frühen Mittwochabend mit einem Auto in eine Gruppe von Passanten gerast und später zu Fuß geflohen.

Insgesamt verletzte der Angreifer nach neuen Angaben der israelischen Behörden sieben Menschen, darunter ein Baby. Das drei Monate alte Mädchen starb später im Krankenhaus. Es wurde noch am Mittwochabend in Jerusalem beigesetzt.

Nach Angaben seiner Familie war der 21-jährige Angreifer erst kürzlich aus dem Gefängnis freigekommen, wo er eine rund 18-monatige Haftstrafe absaß. Demnach ist der junge Mann ein Neffe von Muhi al Din Sharif, einem Bombenbauer der radikalen Palästinenserbewegung Hamas, der 1998 in Ramallah im Westjordanland getötet worden war. Auf der dem Angreifer zugeschriebenen Facebook-Seite waren Bilder aus seinem Viertel Silwan in Ostjerusalem zu sehen, wo Plakate seine Freilassung aus der Haft würdigen. In Silwan selbst war die Lage am Abend angespannt.

Israels Polizei stufte den Angriff als "Terrorakt" ein. Die israelische Polizei sprach von einer "hit and run"-Attacke, auf Deutsch etwa "zuschlagen und fliehen". Einen ähnlichen Angriff hatte es Anfang August schon einmal in Jerusalem gegeben, als ein junger Palästinenser mit einem Bagger einen Menschen überfuhr und einen Bus rammte, wobei fünf Menschen verletzt wurden. Auch er wurde dann von der Polizei erschossen.

Der Vorfall vom Mittwochabend ereignete sich in der Nähe einer Straßenbahnhaltestelle im Norden der Stadt. Die Straße trennt den israelischen Westteil Jerusalems vom annektierten Osten der Stadt und gehört zu den wichtigsten Verkehrsadern. Im Internet veröffentlichte Videoaufnahmen zeigten, wie eine graue Limousine mit Wucht die Gruppe von Passanten überrollt.

Der israelische Verteidigungsminister Moshe Yaalon gibt der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) eine Mitschuld an dem mutmaßlichen Anschlag in Jerusalem. Der Angriff in Jerusalem sei das Resultat der Erziehung der PA, die der jungen Generation beibringe, "Juden zu hassen und sie von ihrem Heimatland zu vertreiben", schrieb Yaalon am Donnerstag auf Twitter.

Die USA verurteilten den "Terroranschlag". Außenamtssprecherin Jen Psaki kondolierte der Familie des getöteten Babys, bei dem es sich um einen US-Bürger handeln soll. "Wir rufen alle Seiten zur Ruhe auf", erklärte sie.

Unterdessen forderte das irische Oberhaus die Regierung in Dublin zur Anerkennung eines Palästinenserstaates auf. Der Antrag der Senatoren wurde wegen der parteiübergreifenden Zustimmung ohne eine extra Abstimmung auf den Weg gebracht und an die Adresse der Regierung gerichtet, die diesem aber nicht folgen muss. Ohnehin hätte eine solche Anerkennung Palästinas nur symbolischen Charakter.

Quelle: Apa/Ag.

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