Weltpolitik

Kämpfe und Festnahmen in Gabun nach Wahlergebnis-Verkündung

Im zentralafrikanischen Land Gabun sind Proteste gegen die Ausrufung von Staatschef Ali Bongo zum Sieger der Präsidentschaftswahl gewaltsam niedergeschlagen worden. Sicherheitskräfte stürmten in der Nacht auf Donnerstag in der Hauptstadt Libreville das Hauptquartier von Bongos unterlegenem Kontrahenten Jean Ping und töteten dabei nach Pings Angaben mindestens zwei Menschen.

Kämpfe und Festnahmen in Gabun nach Wahlergebnis-Verkündung SN/APA (AFP)/MARCO LONGARI
Ausschreitungen in Gabun.

Frankreich, die ehemalige Kolonialmacht, Deutschland und die EU forderten die verfeindeten politischen Lager auf, die Situation nicht weiter eskalieren zu lassen. Es gebe zwei Tote und 19 Verletzte, sagte Ping der Nachrichtenagentur AFP. Die Republikanische Garde habe die Oppositionszentrale aus Hubschraubern beschossen und vom Boden aus angegriffen.

Ping hielt sich bei der Erstürmung nicht in dem Hauptquartier auf, die Angaben zu den Opfern habe er aus "sicherer Quelle", sagte er. Der Vorsitzende der Oppositionspartei Nationale Union, Zacharie Myboto, berichtete, die Sicherheitskräfte seien "extrem gewaltsam" vorgegangen. Es wurde demnach scharf geschossen und Tränengas eingesetzt.

Die Regierung bestritt hingegen, dass es Opfer gab. Regierungssprecher Alain-Claude Bilie-By-Nze sagte zur Begründung des Einsatzes, in der Oppositionszentrale hätten sich Bewaffnete verschanzt, die zuvor das Parlament in Brand gesetzt hätten. "Hunderte Kriminelle und Ganoven" würden sich in der Zentrale verstecken.

Über dem brennenden Parlamentsgebäude stieg in der Nacht dichter Rauch auf. Es waren Schüsse zu hören. Die Telekommunikation und der Zugang zum Internet waren blockiert.

Die Behörden versuchten, die Lage mit einer Festnahmewelle unter zu Kontrolle zu bringen. Laut Innenminister Pacome Moubelet Boubeya sind 800 bis 1.100 Menschen angesichts der gewaltsamen Ausschreitungen von Anhängern des knapp geschlagenen Oppositionskandidaten Jean Ping festgenommen worden.

Die Demonstranten hätten Granaten eingesetzt, und bei den Festnahmen seien Kalaschnikow-Sturmgewehre sichergestellt worden, sagte der Minister. Bongo war am Mittwoch zum Sieger der Präsidentenwahl erklärt worden, doch erhob das Lager seines Kontrahenten umgehend Manipulationsvorwürfe. Auffallend war, dass in Bongos Hochburgen eine exorbitant hohe Beteiligung registriert wurde. "Es wird schwierig werden, die Leute davon zu überzeugen, diese Ergebnisse zu akzeptieren", sagte ein Mitglied der Wahlkommission. Bongo lag nur um 5.594 Stimmen vor Ping.

Präsident Bongo zeigte sich unbeeindruckt von den Protesten und betonte, dass "das Volk gesprochen hat". Die Proteste würden von einer kleinen Gruppe getragen, die die Macht für sich reklamiere. Es sei nicht mit der Demokratie vereinbar, wenn das Parlament und das Fernsehgebäude angegriffen würden, erklärte Bongo mit Blick auf die Ausschreitungen.

Ping forderte hingegen internationale Unterstützung, um die Bürger des Landes gegen die Behörden des "Schurkenstaates" zu schützen. Der französische Präsident Francois Hollande zeigte sich "zutiefst beunruhigt" wegen der Vorgänge in der ehemaligen Kolonie und rief alle Beteiligten zum Gewaltverzicht auf.

Nach dem vorläufigen amtlichen Wahlergebnis holte Amtsinhaber Ali Bongo bei der Präsidentschaftswahl vom vergangenen Samstag 49,80 Prozent der Stimmen. Oppositionskandidat Ping, der früher Kommissionspräsident der Afrikanischen Union (AU) war, kam auf 48,23 Prozent. Bongos Vorsprung lag demnach bei nur 5.594 Stimmen.

Nach Bekanntgabe des Ergebnisses am Mittwoch waren tausende Oppositionsanhänger auf die Straße gegangen und hatten sich bereits Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften geliefert. Dabei wurden mindestens sechs Menschen verletzt.

Pings Lager hatte schon vor der Wahl von Betrug gesprochen, weil ein Gericht erlaubt hatte, dass zusätzliche Wählerlisten für Soldaten erstellt wurden. Diese durften auch außerhalb ihres Stimmbezirks wählen. Laut Opposition waren dadurch mehrfache Stimmabgaben möglich.

Landesweit lag die Wahlbeteiligung bei 59,46 Prozent, in der Provinz Haut-Ogooue wurde hingegen eine außerordentlich hohe Beteiligung von 99,93 Prozent registriert. Bongo gewann dort 95,5 Prozent der Stimmen. Die Opposition verlangte eine Neuauszählung.

Gabun wird seit fast 50 Jahren von der Familie Bongo beherrscht. Ali Bongo trat das Präsidentenamt 2009 nach dem Tod seines Vaters Omar an, der 41 Jahre lang Staatschef war.

Quelle: Apa/Ag.

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