Weltpolitik

Kalte Dusche für Renzi bei Bürgermeisterstichwahl in Italien

Bei den Bürgermeister-Stichwahlen in Italien, zu denen am Sonntag 4,3 Millionen Italiener in 111 Gemeinden aufgerufen waren, muss die regierende Demokratische Partei (PD) um Ex-Premier Matteo Renzi eine schwere Enttäuschung hinnehmen. Die PD verlor in mehreren traditionellen Hochburgen der Linken, darunter in den Hafenstädten Genua und La Spezia, sowie in Piacenza und Pistoia.

Besonders schmerzhaft ist für Renzi die Niederlage in Genua, der bedeutendsten unter den am Urnengang beteiligten Städten. Der Mitte-Rechts-Bewerber Marco Bucci behauptete sich im Bürgermeisterduell mit 55 Prozent der Stimmen klar gegen den Renzi-Kandidaten Gianni Crivello. Die Hafenstadt war jahrelang von Bürgermeistern des Mitte-Links-Lagers regiert worden. Auch in den PD-Hochburgen Pistoia, Piacenza und Sesto San Giovanni bei Mailand wurden die Mitte-links-Kandidaten besiegt.

Die Oppositionsparteien sprechen von einer "Ohrfeige" für Renzi und drängen auf vorgezogene Parlamentswahlen im Herbst. "Nach der Niederlage beim Referendum über die Verfassungsreform im Dezember muss Renzi eine weitere Pleite einstecken", kommentierte die oppositionelle Fünf Sterne-Bewegung, die selber bei den Bürgermeisterwahlen in zwei Wahldurchgängen mit 9,2 Millionen Wählern nicht gut abgeschnitten hat.

"Renzi hat begriffen, dass der Wind für ihn nicht vorteilhaft ist, daher hat er sich in diesem Wahlkampf kaum engagiert. Er tut jetzt so als wäre nichts geschehen", kritisierte die Fünf Sterne-Bewegung. "In einem normalen Land würde eine Regierungspartei wie Renzis PD nach derartigen Blamagen Neuwahlen ausrufen. Die italienischen Wähler wollen von PD-Regierungen nichts mehr wissen", betonte der Chef der ausländerfeindlichen Lega Nord, Matteo Salvini.

Renzi, konnte seine Enttäuschung nicht verbergen. "Wir hätten besser abschneiden können", gab der 42-Jährige zu. Von den insgesamt 111 an den Stichwahlen beteiligten Kommunen habe sich die Mitte-links-Allianz in 67 Gemeinden behauptet, der Mitte-rechts-Block in 59. Das Wahlergebnis sei daher nicht so negativ, argumentierte Renzi.

Quelle: APA

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