Kein Mitleid mit Theresa May

Die britische Premierministerin ist ausdauernd und stur. Dass ein Austritt aus der EU Probleme bringt, sollte aber nicht überraschen.

Autorenbild
Standpunkt Katrin Pribyl


Theresa May darf als einsamste Frau in Westminster bezeichnet werden. Minister werfen aus Protest gegen den ausgehandelten EU-Austrittsvertrag das Zeug hin. Medien ätzen erbarmungslos gegen die britische Premierministerin. Abgeordnete, selbst aus ihrer eigenen konservativen Partei, fordern ihren Rücktritt. Und Brexit-Hardliner wollen sie gar mit einem Misstrauensvotum stürzen.

Doch an der Regierungschefin scheint all das abzuprallen. Einmal mehr zeigt sie, dass sie mühelos in den von ihr perfektionierten Robotermodus umschalten kann. Was ihr auch zu ihrem Spitznamen verholfen hat: May, der Maybot.

Mit bemerkenswerter Ausdauer, Unverwüstlichkeit und Sturheit verteidigt sie trotz Regierungskrise seit Tagen den Kompromiss, auf den sich London und Brüssel Anfang der Woche geeinigt haben. Es handele sich um den bestmöglichen Deal, so wirbt sie für den Entwurf. Doch das politische Getöse um sie herum ist zu laut, als dass May noch von vielen Bürgern verstanden wird.

Wirkliches Mitleid verdient sie nicht. Viel zu früh und ohne Vorbereitung hat sie den auf zwei Jahre befristeten Austrittsprozess ausgelöst. Viel zu schnell hat sich die Konservative von den Brexit-Ideologen in ihrer eigenen Partei zum Ziehen roter Linien verleiten lassen. Und viel zu wenig hat sie die Herausforderungen, die auf das Land zukommen sollten, kommuniziert.

Stattdessen dominierten in der Downing Street über weite Strecken Arroganz, Unnachgiebigkeit und leider auch Inkompetenz. Es sollte kaum überraschend kommen, dass ein Austritt aus dem Binnenmarkt und der Zollunion fast unlösbare Probleme nach sich zieht, insbesondere auf der irischen Insel.

Die hat man in der Brexit-Blase aber bewusst ignoriert. Wie etwa soll eine harte Grenze zwischen der Republik Irland und dem zum Königreich gehörenden Nordirland vermieden werden, wenn ein Land nach anderen wirtschaftlichen Spielregeln agiert als das andere?

Der Brexit ist eine politische Idee, die nur leider nicht zur Situation einer Rechtsgemeinschaft wie der EU passt.


Aufgerufen am 16.12.2019 um 12:32 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/kein-mitleid-mit-theresa-may-61001416

Schlagzeilen