Weltpolitik

Khatami droht bei US-Angriff auf Iran Israel mit Vergeltung

Der führende iranische Geistliche Ahmad Khatami hat den USA und ihrem Verbündeten Israel mit Vergeltung gedroht, sollten die Amerikaner die Islamische Republik angreifen. Zugleich kündigte der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, John Bolton, am Mittwoch in Jerusalem weiteren Druck auf den Iran an, der über Wirtschaftssanktionen hinausgehen könnte.

Khatami droht den USA und deren Verbündeten SN/APA (AFP)/ATTA KENARE
Khatami droht den USA und deren Verbündeten

Der Preis eines Krieges mit dem Iran sei sehr hoch für die Amerikaner, sagte Ayatollah Khatami in Teheran der Nachrichtenagentur Misan zufolge: "Sie wissen, wenn sie dieses Land und diesen Staat auch nur im Geringsten verletzen, dann werden die Vereinigten Staaten und ihr wichtigster Verbündeter in der Region, das Zionistische Regime, ins Visier genommen." Damit verwies Khatami auf Israel. Der Iran hatte bereits erklärt, er könne israelische Städte mit Raketen angreifen, sollte er bedroht werden.

Khatami sprach vor Gläubigen, die sich anlässlich des Opferfestes zum Gebet versammelt hatten. Der einflussreiche Geistliche nannte Trumps unlängst geäußertes Gesprächsangebot inakzeptabel. "Die Amerikaner sagen: Ihr müsst akzeptieren, was wir in den Gesprächen sagen. Das ist keine Verhandlung, sondern Diktatur. Die Islamische Republik und die iranische Nation werden sich gegen Diktatur zur Wehr setzen."

Trump hat dem Iran wiederholt gedroht und nach dem Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen wieder Sanktionen verhängt. Er hatte das 2015 von seinem Vorgänger Barack Obama mit Russland, China, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und dem Iran in Wien geschlossene Abkommen im Mai einseitig aufgekündigt. Die anderen Unterzeichnerstaaten wollen es aufrechterhalten. Es sieht die Aufhebung von Sanktionen gegen den Iran vor, der im Gegenzug sein Atomprogramm begrenzt und internationale Kontrollen seiner Atomanlagen zulässt. Trump will nun den Iran zur Aushandlung eines neuen, weiter reichenden Atomabkommens zwingen.

US-Sicherheitsberater Bolton sagte in Israel, ein Sturz der iranischen Regierung sei nicht das Ziel der US-Politik. "Aber was wir wollen, ist ein massiver Wandel im Verhalten des Regimes." Der Nachrichtenagentur Reuters sagte er zudem, die Sanktionen gegen den Iran seien wirksam. "Sie haben bereits eine bedeutende Auswirkung auf die Wirtschaft und die öffentliche Meinung im Iran." Die Effekte seien sogar stärker als erwartet. Allerdings betreibe der Iran in der Region weiterhin eine aggressive Politik. Der Iran, der sich als Schutzmacht der Schiiten begreift, gewinnt an Einfluss, was dem Erzrivalen Saudi-Arabien ein Dorn im Auge ist. Das erzkonservative sunnitische Königreich ist ein enger Verbündeter der USA.

Seit April, als der Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen bereits angekündigt war, hat die iranische Währung Rial die Hälfte ihres Wertes verloren. Das Land leidet unter hoher Arbeitslosigkeit und Inflation. Neue Sanktionen dürften die Lage erheblich verschärfen. Dabei hatte der als gemäßigt geltende Präsident Hassan Rouhani der Bevölkerung versprochen, durch das Atomabkommen und das Ende der Strafmaßnahmen werde die Wirtschaft angekurbelt. In den vergangenen Wochen hatte es in mehreren iranischen Städten Kundgebungen gegen hohe Preise und Korruption gegeben, die teilweise auch in Proteste gegen die Regierung mündeten.

Quelle: Apa/Ag.

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