Weltpolitik

Kim Jong-un lässt die Erde zittern

Bis nach Europa waren am Sonntag die seismischen Schockwellen der Atombombe zu messen, die auf eine Anordnung des nordkoreanischen Machthabers hin gezündet worden war.

Kim Jong-un will ernst genommen werden.  SN/APA (AFP)/STR
Kim Jong-un will ernst genommen werden.

Längst hat die Welt lernen müssen, dass der junge Herrscher in Pjöngjang ein gefährlicher und risikobereiter Spieler auf der internationalen Bühne ist.

Seit Kim Jong-un vor sechs Jahren die Macht von seinem verstorbenen Vater übernommen hat, hat er sich im eigenen Land die absolute Macht gesichert. In der Außenpolitik verfolgt er ein ehrgeiziges Ziel: Die atomare Aufrüstung seines Landes will er so weit vorantreiben, dass die als Hauptfeind gefürchteten USA ihm auf gleicher Augenhöhe begegnen müssen - und seine Herrschaft über das Land akzeptieren.

Sollte Nordkorea tatsächlich - wie vom Staatsfernsehen verkündet - eine Wasserstoffbombe besitzen, könnte Kim mit seinem Plan einen Schritt weiter gekommen sein. Von der Aufrüstung verspricht er sich den Bestand seiner Familiendynastie, die Nordkorea seit den Tagen seines Großvaters Kim Il-sung beherrscht.

Als Kim mit Ende 20 zum Nachfolger seines Vaters Kim Jong-il ausgerufen wurde, galt er eher als Strohmann, der von erfahreneren Amtsträgern in Partei und Armee leicht manipuliert werden kann - eine Fehleinschätzung, wie inzwischen klar ist.

Kims Griff nach der absoluten Macht war brutal. Mögliche Rivalen und potenziell illoyale Funktionäre schaltete er in mehreren Säuberungswellen aus. Dabei machte er selbst vor Verwandten nicht Halt - seinen mächtigen Onkel Jang Song-thaek ließ er 2013 als "Verräter" exekutieren.

Kim Jong-un soll auch hinter der spektakulären Ermordung seines in Ungnade gefallenen Halbbruders Kim Jong-nam heuer in Malaysia stecken. Auch mit den zahlreichen Raketen- und Atomtests unterstrich Kim seinen Machtanspruch.

Vor seiner Machtübernahme am 17. Dezember 2011 war Kim Jong-un nahezu unbekannt. Im September 2010 waren erstmals Bilder von ihm an der Seite seines Vaters veröffentlicht worden. Damals wurde er zum Vier-Sterne-General befördert und mit wichtigen Parteiämtern ausgestattet. Sein Vater hatte nach einem Schlaganfall zwei Jahre zuvor seinen jüngsten Sohn systematisch auf die Nachfolge in dem stalinistischen Land vorbereitet.

Über das Leben des künftigen Machthabers war bis dahin kaum etwas bekannt. Außer in Nordkorea gibt es nur in der Schweiz eine Handvoll Menschen, die mit ihm schon einmal zu tun hatten. Er soll nahe Bern von 1996 bis 2001 unter falschem Namen in die Schule gegangen sein.

Medienberichten zufolge spielte Kim in der Schweiz gern Basketball und zeichnete Comics; Klassenkameraden erinnerten sich an einen schüchternen Buben mit einer Vorliebe fürs Skifahren und den Actionhelden Jean-Claude Van Damme. Nach Presseberichten besuchte Kim Jong-un anschließend die Militärakademie in Pjöngjang. Seit seinem Amtsantritt vor sechs Jahren ist Kim nicht ins Ausland gereist, nicht einmal dem Nachbarn und Verbündeten China machte er seine Aufwartung.

Privates über Kim kam kaum an die Öffentlichkeit - allerdings bestätigte die nordkoreanische Staatsführung im Juli 2012 offiziell, dass er verheiratet ist. Nach südkoreanischen Erkenntnissen wurde heuer das dritte Kind des Ehepaars geboren.

Zu den wenigen Ausländern, die Kim in letzter Zeit zu Gesicht bekamen, zählt der exzentrische ehemalige US-Basketballstar Dennis Rodman. Er war im Juni erneut zu einem Besuch in Pjöngjang. Nach einem Besuch 2013 hatte Rodman verraten, dass er Kims kleine Tochter Ju-ae im Arm gehalten habe. Kim lobte er damals als "guten Vater", der eine "wunderbare Familie" habe.

Quelle: Apa/Afp

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