Weltpolitik

Kneissl will wirtschaftliche Entwicklungen in Asien nutzen

"Europa hat in Asien schon viel verpasst." So umriss Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ) während ihres Besuchs in Bangladesch die Motivation für ihre neuntägige Südasienreise, die sie am Donnerstag weiter nach Nepal führt. China sei etwa vom "Imitator" westlicher Wirtschaftskonzepte zu einem Marktführer aufgestiegen. Nun gelte es, ähnliche Entwicklungen nicht wieder zu verschlafen.

Kneissl mit Kindern in Dhaka SN/APA (Außenministerium/Lauber)/AN
Kneissl mit Kindern in Dhaka

Daher müsse Österreich versuchen, in - zumindest im Vergleich mit China - kleineren Ländern wie eben Bangladesch rechtzeitig Kooperationen aufzubauen. Immerhin sei vor ihrem Besuch zuletzt vor fast 30 Jahren mit Alois Mock (ÖVP) ein Außenminister in Bangladesch (1990) gewesen.

Dabei habe der 165-Millionen-Einwohner-Staat mit seiner teils jungen Bevölkerung ein gehöriges Potenzial, das mit Ausbildungsoffensiven gefördert werden müsse. Zwar gelte Bangladesch immer noch als "Armenhaus", das Land habe aber große Fortschritte gemacht. So sei das Pro-Kopf-Einkommen binnen zehn Jahren verdreifacht worden, erinnerte Kneissl, zudem komme das Land bereits zur Gänze selbst für die Nahrungsmittel seiner Bevölkerung auf. Auch Außenminister Abdul Momen freute sich am Mittwoch über die "Win-Win-Situation": "Österreichische Unternehmen können investieren, und wir bieten einen Markt mit über 160 Millionen Menschen."

Auch in Nepal sollen am Donnerstag bei einem bilateralen Networking Dinner künftige Optionen für eine bilaterale Wirtschaftskooperation ausgelotet werden. Das Handelsvolumen mit Nepal war 2018 mit hochgerechneten 6,5 Millionen Euro eher bescheiden. In den ersten zehn Monaten 2018 wurden Waren im Wert von 3,2 Millionen Euro exportiert und 2,1 Millionen Euro importiert. Für März 2019 ist der Besuch einer Mission der Wirtschaftskammer geplant. Das Wirtschaftswachstum lag 2018 bei 6,3 Prozent. Durch die offene Grenze zu Indien und die enge wirtschaftliche Verflechtung mit seinem großen Nachbarn profitiert Nepal überdurchschnittlich vom Wirtschaftsboom Indiens.

Kneissl wird in Kathmandu auch an einem "Runden Tisch" zu Frauenthemen teilnehmen. Am Freitag folgen dann Gespräche mit Außenminister Kumar Gyawali und Premier Khadga Prasad Sharma Oli. Sie gehören einer marxistisch-leninistisch orientierten Regierung mit maoistischen Einsprengseln an. In weiterer Folge wird Kneissl bis Dienstag kommender Woche noch im Himalaya-Königreich Bhutan und in Indien Station machen. Die Rückkehr nach Wien ist am darauffolgenden Mittwoch geplant.

Quelle: APA

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