Weltpolitik

Kobane: Kurden wehren neue Angriffe des IS ab

Die Jihadistenmiliz IS verstärkt ihre Anstrengungen zur Eroberung der nordsyrischen Stadt Kobane. Kurdische Einheiten und IS-Kämpfer lieferten sich laut Syrischer Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Montagabend heftige Gefechte. Unterdessen versicherte Irans oberster Führer, Ayatollah Ali Khamenei, dem irakischen Regierungschef seine uneingeschränkte Unterstützung im Kampf gegen den IS.

Zuvor hatte die US-Armee die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Kobane erstmals aus der Luft mit Waffen und Medizin versorgt. Überraschend hatte auch die Türkei einen Kurswechsel angekündigt und Peshmerga-Kämpfern aus dem Nordirak gestattet, den Kurden im belagerten Kobane zu Hilfe zu eilen.

Die Anschläge im Norden der Stadt sollten offenbar dazu dienen, Kobane von der Türkei abzukoppeln. Der Kampf um die Stadt hat für die Extremisten hohen symbolischen Charakter: Gelingt es ihnen, sie einzunehmen, würden sie so auch einen Teil der Grenze zur Türkei kontrollieren. Die Terrormiliz hat sich für die Angriffe mit Kämpfern aus anderen Regionen verstärkt. Nach Angaben des syrischen Beobachtungszentrums für Menschenrechte kamen die neuen Einheiten der radikalen Islamisten aus den vom IS kontrollierten syrischen Städten Raqqa und Dkharabalus.

Im Irak griffen die Jihadisten die von Kurden kontrollierte Stadt Kara Tapah an. Zehn Menschen wurden nach Angaben der Behörden getötet. Tausende Menschen flohen aus der Stadt. Am Montag habe die Terrormiliz zeitgleich 15 Angriffe gegen kurdische Kräfte im Nordirak geführt, berichtete der US-Sender CNN. Dagegen zogen sich IS-Kämpfer laut Medienberichten aus der Provinz Salaheddin nördlich der Hauptstadt Bagdad zurück.

Die von den USA über Kobane abgeworfenen Waffen stammen von kurdischen Stellen im Nordirak. Die syrischen Kurden bestätigten, dass sie die Lieferung erhalten hätten. "Ohne Zweifel wird die Ankunft der Waffen den Verlauf des Kampfes verändern", sagte der Leiter der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdel Rahman. Es seien leichte und mittelschwere Waffen, Maschinengewehre, panzerbrechende Waffen, Munition und medizinische Hilfsgüter geliefert worden.

US-Außenminister John Kerry betonte bei einem Indonesien-Besuch, es handle sich nicht um einen Wandel in der US-Politik. Aber: "Es wäre unverantwortlich von uns, und moralisch äußerst problematisch, uns von einer Stadt abzuwenden, die gegen ISIL (eine frühere Bezeichnung der Gruppe Islamischer Staat) kämpft."

Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu kündigte am Montag in Ankara an, Peshmerga-Kämpfern aus dem Nordirak die Einreise nach Kobane erlauben zu wollen, um die dortigen Volksschutzeinheiten zu unterstützen. Zugleich schloss er weiterhin jede direkte türkische Unterstützung für die syrisch-kurdische Partei PYD aus. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte sich am Wochenende gegen internationale Waffenlieferungen ausgesprochen und die PYD als "Terrororganisation" bezeichnet. US-Außenamtssprecherin Marie Harf begrüßte den Schwenk Ankaras.

Aus dem Irak hieß es, Dutzende IS-Anhänger hätten von ihnen kontrollierte Gebiete rund um die Stadt Tikrit in Richtung der Provinz Ninive im Norden des Landes verlassen. Die Region um das 160 Kilometer nördlich Bagdads gelegene Tikrit war in den vergangenen Tagen verstärkt von Flugzeugen der internationalen Allianz bombardiert worden. Das dänische Verteidigungsministerium teilte mit, dänische F16-Flugzeuge hätten im Kampf gegen den IS im Irak erstmals Bomben abgeworfen.

Der IS war in dem Land monatelang auf dem Vormarsch. Dabei ging die Gruppe äußerst brutal gegen die Bevölkerung vor. Wie die UNO-Organisation für Migration mitteilte, leben in dem Land 1,8 Millionen Vertriebene.

Unterdessen versicherte Irans oberster Führer dem irakischen Regierungschef seine uneingeschränkte Unterstützung im Kampf gegen den Islamischen Staat. "Für uns ist die Sicherheit im Irak genauso wichtig wie unsere eigene", sagte Ayatollah Ali Khamenei laut Nachrichtenagentur Isna. Daher würde Teheran für den Irak alles tun, was in seiner Macht stehe, damit Stabilität und Sicherheit wiederkehrten.

Khamenei warnte jedoch vor einer Einmischung aus dem Ausland in der derzeitigen Krise. "Der Status quo ist doch das Resultat der verantwortungslosen Politik ausländischer Mächte und einiger Regionalstaaten in Syrien", sagte der Ayatollah, ohne die USA, Saudi-Arabien oder die Türkei namentlich zu erwähnen. Diese Politik habe dazu geführt, dass Terrorgruppen wie der IS entstanden seien. "Daher sollte die Bekämpfung des IS auch seitens der Regionalstaaten und nicht durch Ausländer erfolgen", so Khamenei, der laut iranischer Verfassung das letzte Wort in allen strategischen Belangen hat.

Laut einem britischen Pressebericht kann der IS im NATO-Land Türkei offenbar relativ ungestört operieren. Die Zeitung "The Telegraph" berichtete kürzlich, ein syrischer Rebellenführer sei bei einem letztlich gescheiterten Entführungsversuch durch den IS nahe der türkischen Grenzstadt Sanliurfa angeschossen worden.

Quelle: Apa/Ag.

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