Weltpolitik

Kongo zieht nach Missbrauchsvorwürfen UN-Soldaten ab

Nach Missbrauchsvorwürfen zieht die Republik Kongo rund 600 Soldaten vom UN-Einsatz in Zentralafrika (MINUSCA) ab. Die Regierung von Präsident Denis Sassou Nguesso habe die Entscheidung zum Rückzug getroffen, teilte die UNO am Mittwoch (Ortszeit) mit.

Eine UN-Untersuchung der Beschuldigungen zu sexueller Ausbeutung und Missbrauch habe ergeben, dass es bei den kongolesischen Blauhelmen erhebliche "Führungs- und Kontrollprobleme" gebe. Die Probleme verstärkten sich der UN-Erklärung zufolge wegen Mängeln bei der "Vorbereitung, der allgemeinen Disziplin, der Wartung der Ausrüstung des Kontingents und der logistischen Fähigkeiten" der Soldaten. Ein Kontingent von 140 kongolesischen Polizisten wird allerdings in der Zentralafrikanischen Republik belassen.

Die 629 kongolesischen Soldaten sind bisher in Berberati, der drittgrößten Stadt der Zentralafrikanischen Republik, stationiert. Der Beschluss zu ihrem Rückzug erfolgte, nachdem ein interner Vermerk des MINUSCA-Chefs Balla Keita für die UN-Zentrale in New York an die Öffentlichkeit gelangte. In dem Vermerk erklärte der senegalesische General, er habe den Kommandanten des kongolesischen Blauhelmkontingents allein in diesem Jahr in sechs Briefen auf mutmaßliche Fälle von sexuellem Missbrauch, Treibstoffschmuggel und Disziplinlosigkeit hingewiesen.

Die UNO hatte bereits im vergangenen Jahr 120 kongolesische Blauhelmsoldaten aus der Zentralafrikanischen Republik wegen des Vorwurfs des Kindesmissbrauchs abgezogen. Gegen die rund 12.000 Mann starke MINUSCA-Truppe werden immer wieder Vergewaltigungs- und Missbrauchsvorwürfe laut. Mehr als hundert Frauen und Mädchen gaben laut UNO an, von ausländischen Soldaten sexuell missbraucht worden zu sein. Der ehemalige UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon feuerte deshalb im August 2015 den damaligen MINUSCA-Chef Babacar Gaye aus dem Senegal.

Unter Verdacht gerieten neben Blauhelmen aus afrikanischen Ländern auch französische Militärangehörige. So sollen UN-Soldaten aus Frankreich in einem Lager nahe der Hauptstadt Bangui zwischen Dezember 2013 und Juni 2014 mehrere Kinder im Alter zwischen neun und 13 Jahren missbraucht haben. Nach den Regelungen der UNO obliegt es dem Entsendestaat, seine Soldaten oder Polizisten zur Rechenschaft zu ziehen. Menschenrechtsgruppen haben wiederholt die weitgehende Straflosigkeit für UNO-Blauhelmsoldaten angeprangert.

Bans seit Jahresbeginn amtierender Nachfolger als UN-Generalsekretär, Antonio Guterres, hat dem sexuellen Missbrauch durch Blauhelmsoldaten den Kampf angesagt. Er ernannte eine Arbeitsgruppe, die eine neue Strategie verfolgen soll. Geplant sind nach seinen Angaben "neue mutige Wege" im Kampf gegen den Missbrauch.

In der Zentralafrikanischen Republik hatten 2013 nach dem Sturz des christlichen Präsidenten Francois Bozize überwiegend muslimischen Seleka-Rebellen die Macht übernommen. Das Land geriet in eine Spirale der Gewalt zwischen christlichen und muslimischen Milizen geraten. Bei Massakern wurden tausende Menschen getötet, hunderttausende weitere wurden in die Flucht getrieben.

Da es den Truppen der Afrikanischen Union nicht gelang, das Land zu befrieden, entsandte die ehemalige Kolonialmacht Frankreich im Dezember 2013 ein eigenes Truppenkontingent. Seit September 2014 sind in Zentralafrika zudem Blauhelmsoldaten der UN-Truppe MINUSCA im Einsatz. Die Gewalt ist mittlerweile eingedämmt, die Spannungen zwischen den Konfliktparteien bleiben jedoch bestehen. Aus der Hauptstadt Bangui wurden bewaffnete Gruppen vertrieben, auf dem Land sind sie aber weiterhin aktiv.

Quelle: Apa/Ag.

Aufgerufen am 17.12.2018 um 03:37 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/kongo-zieht-nach-missbrauchsvorwuerfen-un-soldaten-ab-12529984

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