Weltpolitik

Laut UNO mehr als 1,5 Millionen Flüchtlinge aus der Ukraine

Mehr als 1,5 Millionen Menschen haben nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) in den vergangenen zehn Tagen die Ukraine verlassen und sind in die Nachbarländer geflohen. Der Exodus sei die am schnellsten anschwellende Flüchtlingskrise in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg, erklärte UN-Flüchtlingskommissar Filippo Grandi am Sonntag via Twitter. Seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine am 24. Februar sind allein in Polen bis Samstag 922.400 Geflüchtete registriert worden.

Immer mehr Menschen fliehen vor dem Krieg SN/APA/AFP/DANIEL LEAL
Immer mehr Menschen fliehen vor dem Krieg

Der polnische Grenzschutz ging davon aus, dass ihre Zahl im Laufe des Sonntags auf über eine Million steigt. Rumänien verzeichnete rund 227.500 Geflüchtete und Ungarn über 163.000. Fast 114.000 Menschen haben die Slowakei erreicht.

Moldawiens Präsidentin Maia Sandu bat bei einem Treffen mit US-Außenminister Antony Blinken in Chisinau die internationale Gemeinschaft um Hilfe bei der Versorgung der Flüchtlinge. Seit Beginn des Krieges seien über 250.000 Menschen aus der Ukraine über die Grenze gekommen. Die frühere Sowjetrepublik zählt selbst nur etwa 2,6 Millionen Einwohner.

An Polens rund 500 Kilometer langer Grenze zur Ukraine wurden allein am Samstag 129.000 Menschen abgefertigt und damit so viele, wie noch nie an einem Tag. "Die Abfertigung ist so einfach wie möglich", sagte die Sprecherin des polnischen Grenzschutzes, Anna Michalska. "Es geht darum, die Identität der Personen zu bestätigen, Dokumente zu überprüfen und die Datenbanken zu kontrollieren, ob es sich nicht um gesuchte Personen handelt. Das dauert ein paar Minuten."

Am Grenzübergang Medyka, dem verkehrsreichsten Polens, strömten die Flüchtlinge an Kartons mit Kleidung vorbei, die entlang eines Weges vom Grenzübergang aufgestellt waren. Helfer verteilten heißen Tee, Lebensmittel und Hygieneartikel. Einige Flüchtlinge trugen Säuglinge, andere Hunde und Katzen, eingewickelt in Decken. Viele reihten sich ein in die Warteschlange für die Busse in die nahe gelegene Stadt Przemysl, wo Freunde, Verwandte und Freiwillige warteten, um sie in andere Städte in Polen und darüber hinaus zu bringen.

"In Kiew gibt es viele Bomben, und man sitzt im Keller und hört es immer noch, und deshalb habe ich die Stadt verlassen", sagte Anna Klimowa. Die 21-Jährige ist auf dem Weg nach Breslau zu ihrem Bruder. "Es ist eine wirklich harte Situation." In Polen lebten vor dem Krieg bereits etwa 1,5 Millionen Menschen aus der Ukraine. Das Land ist daher ein wichtiges Ziel von Flüchtlingen, die aber auch über die Slowakei, Ungarn und Nordrumänien Schutz vor dem Krieg suchen.

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen sprach sich am Sonntag indes für sichere Fluchtwege aus. "Jede Situation ist anders, aber aufgrund unserer jahrzehntelangen Erfahrung in Kriegssituationen wissen wir, dass einmalige humanitäre Korridore zwar hilfreich sein können, aber nicht ausreichen", sagte Stephen Cornish, Geschäftsführer der Genfer Einsatzzentrale von Ärzte ohne Grenzen. Schon öfter habe man erlebt, wie Zivilisten ermutigt worden seien, "zeitlich begrenzte Evakuierungskorridore zu nützen - doch dann wurden diejenigen, die nicht fliehen konnten oder wollten mit außergewöhnlicher und wahlloser Gewalt konfrontiert, die sich gegen alle richtete, die zurückblieben."

Ärzte ohne Grenzen rufe deshalb dazu auf, dass alle Militärs, die aktuell in der Ukraine kämpfen, die Kriegsregeln einhalten und alle nötigen Vorkehrungen treffen, um Zivilpersonen nicht zu verletzen. Sie seien verpflichtet, diese zu jeder Zeit und an jedem Ort in der Ukraine als Zivilisten zu betrachten, so die NGO.

Aufgerufen am 20.05.2022 um 10:46 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/laut-uno-mehr-als-1-5-millionen-fluechtlinge-aus-der-ukraine-118033810

Krieg in der Ukraine

Krieg in der Ukraine

Jetzt lesen

Kommentare

Schlagzeilen